von Birgit Schürmann

Wie uns Selbstgespräche entspannen

Führen Sie Selbstgespräche? Murmeln Sie manchmal etwas vor sich her? Oder lassen Sie es lieber bleiben, damit Sie nicht verdächtigt werden, einen Dachschaden zu haben?!

Ich, zum Beispiel, führe Selbstgespräche: „Wo ist denn jetzt mein Handy?“ „Dann habe ich ja noch Zeit...“, „Ooohh neee, der Beutel liegt noch im Bad!“. Morgens, wenn ich aus dem Haus will, rede ich manchmal mit mir. Warum? Ich sortiere und strukturiere mich damit. Ich fokussiere mich darauf, mich fertig zu machen und gleich aus dem Haus zu gehen. Es hilft mir, mich zu konzentrieren. 

So bereite ich auch meine Vorträge vor: Ich gehe im Wald spazieren und sage meinen Text laut vor mir her. Die Methode kann ich Ihnen ebenfalls für die Vorbereitung auf Gespräche, die Ihnen nicht leicht fallen, empfehlen. Superhilfreich, um Gedanken und Argumente zu ordnen. Guter Ort: Ihr Auto.

Manche Sportler nutzen die Kraft des Selbstgespräches, regulieren stressige Situationen und verbessern damit ihre Leistung. Erinnern Sie sich an Tommy Haas? Während eines Matches gegen die russische Ballmaschine Nikolai Davydenko sah es für ihn gar nicht gut aus. Im Angesicht der drohenden Niederlage machte er sich mit einem Selbstgespräch selbst wieder Beine. Verfolgen Sie den inneren Kampf von Tommy Haas im Australian Open. Das Match gegen Davydenko hat er in 5 Sätzen gewonnen.

In unseren Gedanken reden wir permanent mit uns. Wir führen innere Selbstgespräche. Lautlose Monologe. Die Worte, mit denen wir zu uns sprechen, haben eine große Kraft. Worte sind nicht einfach nur neutral. Sie lenken unsere Wahrnehmung - im positiven wie im negativen Sinne. Auch wenn ich mit mir selber spreche.

Kürzlich habe ich dazu eine interessante Studie gelesen, die mich zum Thema „Selbstgespräche“ inspiriert hat. Interessanterweise macht es einen Unterschied, in welcher Person wir mit uns selber reden. Aktuell forschten dazu Wissenschaftler der Neuropsychologie an zwei Universitäten in Michigan, USA. Veröffentlicht wurden Ihre Ergebnisse im Juli 2017.

Im ersten Experiment gab es die Vorgabe: Die Probanden sollten sich erschreckende und normale Bilder ansehen. Im zweiten Experiment an schmerzliche Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit denken.

Danach sollten sie die Bilder oder ihre Erinnerung aus unterschiedlichen Perspektiven reflektieren. Sie sollten sich aus der ersten Person heraus fragen: Wie geht es mir? und ebenso aus der dritten Person heraus: Wie geht es Frau Schürmann?

Während die Probanden beider Experimente mit sich selber sprachen, schauten ihnen die Forscher mit Hilfe von EEG und MRT ins Gehirn.

Das Ergebnis beider Experimente war: Wurden die Selbstgespräche in der dritten Person geführt, wurden weniger neuronale Aktivitäten gemessen. Anders ausgedrückt: Diese Selbstgespräche kosten nicht so viel Energie und sind somit stressfreier.

Wieso macht so ein kleiner Unterschied soviel aus?

Frage ich mich: Wie geht es Frau Schürmann? Denke ich über mich aus der Sicht einer andere Person nach. Ich bekomme eine notwendige Distanz. Mit dieser Distanz kann ich mich und mein Verhalten effektiver reflektieren. Ich tauche nicht in meine Emotionen ein. Und tauche auch nicht in sie ab. Das erspart mir emotionale Energie, die ich brauche, um stressige Emotionen zu regulieren.

Ich kann mich wesentlich besser kontrollieren und Probleme lösen. Vor allem dann, wenn immer dieselben Denkmuster im Kopf kreisen. Wenn Sie beispielsweise in eine Schleife geraten, in der Sie sich immer und immer wieder mit den selben Vorwürfen quälen.

Denn sind wir nicht für unsere eigenen Macken blind, erkennen aber sehr schnell, wenn eine gute Freundin oder Freund bei der Partnerwahl wieder in derselben Kategorie gewählt hat?

 

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