von Birgit Schürmann

Warum Sprechpausen soviel Macht haben

In meinen Rhetorik-Seminaren probieren sich die Teilnehmer in vielen Präsentationsübungen aus. Das häufigste Feedback, dass die anderen Teilnehmer und ich demjenigen geben, der grad auf der Bühne gestanden hat, ist: „Du kannst Dir mehr Zeit lassen!“.

Im Aufmerksamkeitsfokus haben wir ein anderes Zeitempfinden. Für uns fliegt die Zeit. Wir haben den Eindruck, wir haben uns Zeit gelassen - waren sogar im Schneckentempo - und, sieh an, die Zuschauer, empfanden es als zu schnell!

 

Geben Sie den Clint Eastwood

Da ist ein Feedback von außen Gold wert. Es ist schade, wenn der Vortragende zu schnell ist, denn er verschenkt persönliche Wirkung. Wirkung braucht Zeit, sich zu entfalten. Viele unterschätzen die eigene Wirkung, die eigene Präsenz: Wie interessant man ist, wenn man einfach mal nur dasteht und nichts tut. So wie Clint Eastwood in seinen Filmen.

Es kann so weit gehen, dass sich Vortragende, die sich sehr unsicher fühlen, Pausen schnell als unangenehm empfinden.

Ungeübte (und nicht nur diese) brauchen manchmal ein paar Anläufe, auf der Bühne anzukommen, in Ruhe einmal durchzuatmen und sich die Zeit und auch den Raum zu nehmen - andererseits sollten Sie auch nicht zu langsam werden, denn dann fällt die Spannung runter.

 

Die Macht der Pause wird unterschätzt

Pausen sind wie das Salz in der Suppe. Stellen Sie sich vor, Musik hätte keine Pausen und wir würden den Klang nicht nachklingen lassen. Genau so ist es auch mit einem Menschen, der ununterbrochen spricht - ohne Punkt und Komma. Der seinen Zuhörern keine Zeit lässt, das Gehörte zu verarbeiten. Es wirken zu lassen und sich kurz zu entspannen: Irgendwann schalten seine Zuhörer ab, weil sie sich überfordert fühlen.

Für einen guten Vortrag müssen einige Punkte zusammen kommen, unterschätzt wird aber die Macht der Pause. Auch die Faszination der Pause. Vor allem nach wichtigen Sätzen unterstützt die Pause die Wirkung des Inhalts. Und die sollte man aushalten. Vielleicht sogar genießen. Die Macht, dass Sie die Aufmerksamkeit all ihrer Zuschauer haben. Die Macht, dass Sie die Aufmerksamkeit vieler Menschen führen. In diesem Moment liegt eine große Kraft, man könnte auch sagen: ein Zauber.

 

Wirkungsvoller Texthänger

Als ich am Theater engagiert war, hing ich einmal während einer Vorstellung. Die Souffleuse hatte man leider eingespart, so suchte ich verzweifelt in meinem Gedächtnis nach dem Text. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit erinnerte ich mich wieder. Nach der Vorstellung lief ich zum aufgeregt zum Regieassistenten, der die Abendspielleitung inne hatte und fragte: „Hat man gemerkt, dass ich gehangen habe?“ Er sagte: „Nö. Hat man nicht gemerkt, nee, das war super, sogar spannend, ein total intensiver Moment. Kannst Du nicht immer an der Stelle eine Pause machen?“

Alle die, die sich vor einem Blackout während ihres Vortrags fürchten: Zuschauer können einen Texthänger nicht einordnen. Für sie ist eine Pause von ein paar Sekunden ein spannender Akzent und das kann ihrer Aufmerksamkeit sogar gut tun.

 

Meine 3 Tipps:

  1. Üben Sie sich in Stille: Verschießen Sie Ihr Pulver nicht zu schnell und setzen Sie Pausen.
  2. Strukturieren Sie mit den Redepausen Ihren Vortrag. Markieren Sie Ihren Text und lassen sie Ihren Zuschauern bewusst etwas Zeit nach einer wichtigen Kernaussage.
  3. Atmen sie in der Pause einmal in Ruhe durch, zählen Sie innerlich (langsam) bis 3 und weiter gehts. Auch wenn es Ihnen ewig vorkommt: Das Publikum atmet mit Ihnen tief durch und Ihre Worte werden auf fruchtbaren Boden fallen.

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