Warum Metaphern in keiner Präsentation fehlen sollten

von Admin

Warum Metaphern in keiner Präsentation fehlen sollten

Fußball Moderationen sind eine wahre Fundgrube für Metaphern: “Der Glanz Argentiniens rostet in der Angst vor dem Ausscheiden“ – ein Kommentar vom Moderator Marcel Reiff zum Spiel Deutschland gegen Argentinien im Viertelfinale der WM 2014. Oder Reinhold Beckmann zur WM 2006: “Schneider – Schnelldenker am Ball, hat aber heute nicht so sicher formuliert mit seinen Füßen”.

Metaphern sind aus der Fußballmoderation nicht mehr wegzudenken. Metaphern sind eines der beliebtesten und wirkungsvollsten Stilmittel. Die traditionelle Figur der Rhetorik findet man in der Literatur, in Reden und Vorträgen.

 

Grillt die IKEA-Elche

Auch Redakteure wissen die Wirkung der Metaphorik zu schätzen. Titel der Bildzeitung zum Achtelfinale 2006 zum Spiel Deutschland gegen Schweden: “Im Münchner Stadion werden die IKEA-Elche gegrillt” .

Der US-Psychologe Ronald Riggio erforschte das Phänomen Charisma. Schnell hat er sich Barack Obama zugewandt. Und unter anderem die mitreißende Wirkung seiner Reden unter die Lupe genommen: Barack Obama verwendet doppelt so viele Metaphern, wie andere Redner.

 

Metaphern ersetzen

Laut Wikipedia wird „der eigentliche Ausdruck durch etwas ersetzt, das deutlicher, anschaulicher oder sprachlich reicher sein soll. Wie zum Beispiel die Baumkrone für “die Spitze des Baumes”.“

Manchmal ersetzten Metaphern bildhaft Bezeichnungen, die es in unserer Sprache nicht gibt: „Das Stuhl- oder Tischbein“ oder „der Flaschenhals“.

Ich würde noch hinzufügen: Durch die Metapher wird ein Ausdruck aus seinem ursprünglichen Zusammenhang herausgenommen und in einem anderen Kontext verwendet. Die Metapher überträgt eine Bedeutung. Meist durch ein Bild. Aus der einen Begriffswelt in eine andere Begriffswelt. Immer gibt es eine wörtliche und eine übertragene Interpretation.

 

Die Kuh vom Eis kriegen

Unsere Alltagssprache ist voller Metaphern: „Runterladen“, „die Kuh vom Eis kriegen“, „auf den Zahn fühlen“. Oder „sich einen Fußballer angeln“, „mit der Frau vom Chef durchbrennen“ und „die rosarote Brille nicht absetzen“. Rhetorikprofis aus der Politik „schnüren Rettungspakete“, „spannen Schutzschirme auf“ und „verabreichen Finanzspritzen“.

Die Vergleiche sind eher assoziativ. Sie können Bedeutungen, die für uns weit voneinander entfernt liegen, zusammenfassen. Das macht den großen Reiz der Metapher aus.

Ähnlich wie in einer Analogie können Sie Dinge in ungewohnte Beziehungen zueinander bringen. Das überrascht und erzeugt Spannung. Verblüfft und amüsiert. Eröffnet einen großen Pool an Möglichkeiten.

Und schafft Ihnen unendlich viele Möglichkeiten, originell zu wirken. Oder Ihren Humor aufblitzen zu lassen.

 

Metaphern verblassen und sterben

Metaphern können verblassen. Sie können Ihren Status als Metapher abgeben. Wann passiert das? Wenn Sie nicht mehr spannend wirken. An Wert verlieren. Unscharf werden.

Warum?

Weil sie in unseren normalen Sprachgebrauch gewandert sind. „Motorhaube“ ist ein Beispiel. Oder „Faule Ausrede“. Der „Handschuh“ ist ein Beispiel für eine tote Metapher. Früher war es mal eine Metapher. Heute ist ein feststehender Begriff.

 

Metaphern reißen mit

Müssen Sie abstrakte Vorgänge erklären? Komplexe Sachverhalte? Wissenschaftliche Fakten? Ist Ihr Berufsalltag von einer formalen oder technische Sprache geprägt? Dann nehmen Sie sich Metaphern zur Hilfe: Ihre Inhalte werden anschaulicher und verständlicher. Trockene Inhalte werden lebendiger. Sie schaffen humorvolle und erfreuliche Auflockerungen. Die den Inhalt spielerisch unterstützen.

Vertiefen und erweitern Sie das Wissen Ihres Publikums: Metaphern beleuchten Aspekte, die Ihr Publikum vielleicht vorher gar nicht oder nicht so wahrgenommen hat.

Metaphern gelten daher als Augenöffner. Und sind für Ihren mitreißenden Effekt bekannt.

Ebenso wie spannendes Storytelling erzeugen Metaphern Bilder in unserem Kopf. Und Bilder verankern sich in unserem Gedächtnis. Sie aktivieren die rechte sowie die linke Gehirnhälfte. Ganz im Gegenteil zu trockenen Fakten. Oder nüchternen Argumenten. Die nur von unserer linken Gehirnhälfte aufgenommen werden.

 

Churchill´s Metapher

1946 hat der damalige englische Premierminister Winston Churchill in seiner Rede in Fulton die politische Metapher „Der eiserne Vorhang“ geprägt. Der Begriff gilt bis heute als Vokabel für die damalige politische Situation des kalten Krieges.

Der eiserne Vorhang ist eigentlich eine Brandschutzeinrichtung. Vorgeschrieben für jedes größere Theater. Diese eisernen Vorhänge fahren meist langsam und mit viel Getöse herunter. Sie trennen die Bühne vom Zuschauerraum. Falls auf der Bühne Feuer ausbricht, schützt der eiserne Vorhang das Publikum. Die Idee für die Konstruktion stammt noch aus der Zeit, in der mit Gas beleuchtet wurde. Und dies Brandkatastrophen verursachte.

 

Metaphern schlagen zurück

Winston Churchill war als brillanter Redner bekannt. Noch heute schwirren Zitate von ihm durch unser Leben: „No sports!“ „Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler, er gibt auch anderen eine Chance!“ oder „Es gibt drei Sorten von Menschen: solche, die sich zu Tode sorgen, solche, die sich zu Tode arbeiten und solche, die sich zu Tode langweilen.“

Churchill soll ebenfalls ein Meister der Schlagfertigkeit gewesen sein. Gern konterte er mit einer Metapher. Und schlug damit die Bälle sicher über das Netz. Ein berühmtes Beispiel ist sein Schlagabtausch mit der ebenfalls rhetorisch begabten Lady Astor. Elegant übernahm Churchill das Bild, das die Dame ihm vorlegte.

Sie wetterte: „Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift in den Kaffee schütten.“ Er blieb gelassen:“„Und wenn ich Ihr Mann wäre, würde ich ihn trinken!“

 

Praxistipp 1: Spielen Sie mit Worten!

Entwickeln Sie bildreiche Metaphern! Nutzen Sie Ihre Kreativität und zensieren Sie sich nicht. Je weiter die Bereiche, die Sie miteinander verbinden, voneinander entfernt sind, desto spannender. Kleine Kinder entwerfen die witzigsten Wortkompositionen. Gucken Sie sich das ab! Und werfen Sie jeden Anflug von Perfektionismus über Bord.

 

Praxistipp 2: Probieren geht über Studieren!

Überlegen Sie, an welcher Stelle Ihrer Präsentation oder Rede eine Metapher sinnvoll sein könnte. Und dann: Probieren Sie sich aus! Wenn eine Metapher an einer Stelle nicht bei Ihrem Publikum ankommt, nun denn, dann passt sie vielleicht woanders!

 

Praxistipp 3: Starten Sie mit Trockenübungen!

Schlagfertigkeit kann man lernen! Mit einer Metapher zu antworten, ist eine hohe Kunst, die Sie trainieren können: Sammeln Sie brenzlige Situationen und stellen Sie sich mögliche Antworten vor. Was würden Sie sagen, wenn…..?

Sollten Sie bei einem Wortgefecht dabei, aber nicht betroffen sein – denken Sie aktiv mit! Wie würde Ihre Antwort lauten? Ob Sie ein Interview hören, in einem Meeting sitzen oder einen Schlagabtausch in einer Talkshow verfolgen – mit welchen Worten würden sie parieren? Hätten Sie eine Metapher auf Lager?

Nach und nach wächst Ihre Fähigkeit, schnell und schlagfertig zu reagieren. Es ist die Überraschung, die unser schnelle Reaktionsfähigkeit blockiert. Übung sowie Freude am schnellen und kreativen Denken hilft!

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