von Birgit Schürmann

Warum Männer und Frauen 2 Sprachen sprechen

Die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Männern und Frauen sind seit jeher ein großes Thema. Darüber kursieren unzählige Klischees und jeder, wirklich jeder, kann davon ein Lied singen und etwas zu dem Thema beitragen.

Im heutigen Blogbeitrag werfe ich einen Blick auf das unterschiedliche Sprachverhalten von Männern und Frauen und gebe ein paar Tipps zur verständlicheren Rhetorik. Daher gibt´s 6 Praxistipps, 3 für Frauen und 3 für Männer.

Deborah Tannen ist eine amerikanische Soziallinguistin und Bestsellerautorin. In den 90er Jahren hat sie das unterschiedliche Sprachverhalten in der männlichen und weiblichen Kindheit untersucht:

 

Ich bin wie Du

Frauen lernen von klein an, zu unterstreichen, dass sie gleich sind. Egal, ob sie zu zweit sind oder in einer Gruppe: sie sind immer alle gleich. Frauen verwenden Sprache, um sich gegenseitig zu signalisieren, wie nah sie einander stehen.

Sie freuen sich über Gemeinsamkeiten, tauschen sich darüber aus und bestärken sich darin.

Dasselbe machen sie auch mit ihren Unzulänglichkeiten und ihren Schwächen. Das tröstet sie, verbindet sie und sie bestätigen sich gegenseitig: Ich bin mit Dir auf einer Stufe und nicht besser als Du! Zuweilen verharmlosen sie sogar ihre Leistungen, denn es ist für eine Frau wichtiger, dass sie gemocht wird, als dass sie einen guten Status hat.

Würde ein Mädchen in einer Mädchengruppe den Chef geben, würde sie die Rangfolge einer Gruppe bestimmen wollen oder würde sie den anderen - aus welchen Gründen auch immer - Überlegenheit demonstrieren, dann bekommt sie ein Problem! 

Das machen die anderen nicht mit, das ist chefig! Sie würde sich unbeliebt machen: „Du glaubt wohl, Du bist was Besseres?!“

Möglicherweise würden die anderen Mädchen sie ausschließen.

 

Es kann nur einen Sieger geben

Männer hingegen werden von klein an mit Rangordnungen groß: sie lieben Rangordnungen und den Wettkampf. Sie lieben es, zu beeindrucken, zu imponieren und sich vorteilhaft zu positionieren. In einer Gruppe fechten sie als erstes die Hierarchie aus. Alle haben im Kopf: „Es kann nur einen Sieger geben!“

Um die Rangordnung zu verhandeln, setzen Männer Sprache ein. Sie werfen ihre Fähigkeiten und Kompetenzen in den Ring. Sie haben keine Scheu, auch Nebensächlichkeiten heran zu ziehen.

Sie fordern sich gegenseitig heraus und versuchen gleichzeitig, Herausforderungen, die andere Männer an sie stellen, zu widerstehen. Sie erarbeiten sich einen hohen Status, indem sie sich chefig verhalten und Anweisungen geben.

Männer haben einen Heidenspaß am Spiel. Haben Männer die Nummer 1 bestimmt, orientieren sich alle an Nummer 1. Dann wissen sie:

Zu wem muss ich unbedingt freundlich sein!

Wem muss ich unbedingt zuhören!

Wenn Nummer 1 lacht, dann sollte ich auch lachen!

Männer wissen aber auch:

Wer einen niedrigen Rang einnimmt, der wird nicht so ernst genommen, wie jemand, der einen hohen Rang hat.

Der wird nicht so viel Wertschätzung erfahren.

Dem wird nicht so zugehört, obwohl er vielleicht in seinem Job inhaltlich topfit ist.

Mit anderen Worten: Der Rang entscheidet, ob man gehört wird.

 

Nähe gegen Status

Das bedeutet: Frauen verwenden Sprache, um sich zu signalisieren, wie nah sie zueinander stehen. Männer nutzen ihre Sprache, um zu verhandeln, wer über wem steht.

Frauen bringen ihre Unzulänglichkeiten ins Spiel, werten sich und ihre Arbeit häufig ab, um Gemeinsamkeiten zu beweisen. Männer neigen dazu, ihre Person und ihre Leistung aufzuwerten, um sich abzugrenzen.

Frauen halten ihre Beziehungen aufrecht, indem sie miteinander sprechen. Männer festigen ihre Beziehung, indem sie etwas gemeinsam unternehmen. Sie brauchen sich nicht zu unterhalten.

Frauen sprechen gern im Konjunktiv: „Würde, möchte, hätte, könnte, vielleicht!“. Frauen wollen damit konstruktiv sein, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Auf Männer wirkt diese Rhetorik unentschlossen. Sie denken: die Frau weiß nicht, was sie will!

 

Praxistipp 1 für Frauen: Senden Sie klare Botschaften!

Nutzen Sie keine sogenannten Weichmacher in Ihrer Sprache. Reden Sie mit Männern, sagen Sie nicht: Könnten Sie vielleicht...würden Sie...es wäre schön, wenn... sondern: "Ich will, dass Sie XY tun!". Besser als: „Wäre es eventuell möglich, sich morgen gegen 14 Uhr noch einmal zu melden?“ ist: „Bitte melden Sie sich bis morgen, 14 Uhr!“.

Männer können mit klaren Ansagen und offene Botschaften gut umgehen.

 

Praxistipp 2: Keine langen Erklärungen!

Frauen finden Erklärungen und Begründungen sinnvoll - für die Kommunikation unter Frauen ist das völlig okay. Männer hingegen schätzen es, wenn Frauen lange Erklärungen und Begründungen vermeiden und auf ausholende Argumente verzichten. Sie bevorzugen einfache Botschaften, am besten in kurzen Sätzen. Die darf man ruhig häufiger wiederholen.

 

Praxistipp 3: Glänzen Sie in Männerthemen!

Kennen Sie sich in einem typischen Männerthema aus? So etwas wie Fußball, Autos oder wie das perfekte Steak auf dem Grill gelingt? Wenn Sie sich verbiegen müssen, lassen Sie es lieber sein, aber wenn nicht - können Sie als Frau auf Augenhöhe mit Männern über diese Themen fachsimpeln, steigt Ihr Ansehen und Ihr Status bei den männlichen Kollegen.

 

Praxistipp 1 für Männer: Werden Sie persönlich!

Viele Männer nutzen konsequent die Sachsprache. Besonders Männer, die in einem technischen Beruf arbeiten. Manchmal unterstreichen sie ihre Sachsprache mit einem ausdruckslosen Pokerface. Frauen fühlen sich mit dieser Sprache persönlich nicht beachtet. Sie empfinden das als emotionale Kälte. Mitunter löst es bei Frauen heftige Reaktionen aus, die wiederum Männer überhaupt nicht verstehen. Mein Tipp für Männer: Frauen brauchen den persönlichen Kontakt. Stellen Sie ihn mit einem verbindlichen Lächeln und ein paar persönlichen Worten her.

 

Praxistipp 2: Sprechen Sie!

Es gibt Männer, denen stellt man eine Frage und sie geben keine Antwort. Das heißt, sie antworten schon, nur nicht verbal, sondern mit der Körpersprache: Sie zucken mit den Achseln, arbeiten mit ihrer Mimik oder klopfen anderen Männern auf die Schulter.

Männer verstehen diese Kommunikation. Frauen sind verunsichert, weil der Mann nichts sagt und fragen sich: "Warum sagt der denn jetzt nichts?". Sprechen Sie als Mann mit Frauen, tun Sie ihnen einen Gefallen, wenn Sie kurz antworten.

 

Praxistipp 3: Warten Sie ab!

Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine neue Kollegin. Sie tritt zurückhaltend auf und wertet ihre eigene Leistung möglicherweise sogar noch ab. Das bedeutet nicht, dass sie in ihrem Beruf nicht kompetent ist - das Gegenteil kann der Fall sein. Warten Sie mit Ihrer Kompetenzvermutung ein bisschen ab. Mal sehen, was noch kommt....

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