von Birgit Schürmann
Warum Frauen und Männer zwei Sprachen sprechen und was es mit der Karriere zu tun hat
Die amerikanische Soziallinguistin und Bestsellerautorin Deborah Tannen (Du kannst mich einfach nicht verstehen. Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden) hat schon früh untersucht, wie sich die Kommunikation in der Kindheit prägt. Ich schaue mir ihre Erkenntnisse genauer an und frage mich: Wie sehr bestimmt dieses gelernte Verhalten eigentlich unseren Erfolg?
Ich bin wie du - Verbindung durch Gemeinsamkeit
Frauen lernen von klein auf: Wir sind alle gleich. Sprache dient uns als Klebstoff. Frauen nutzen sie, um Nähe zu signalisieren. Sie freuen uns über Gemeinsamkeiten und bestärken sich gegenseitig, am liebsten über Dinge, die sie gerade nicht hinbekommen.
Ich habe so schlecht geschlafen. – Echt? Ich auch, ich bin total gerädert! – Wem sagst du das? Ich kann mich heute null konzentrieren.
Frauen debattieren leidenschaftlich über ihre Schwächen. Das tröstet und verbindet. Die Botschaft dahinter lautet: Ich bin auf einer Stufe mit dir und keinen Deut besser.
Eigene Leistungen kleinzureden, ist für viele Frauen fast ein Reflex.
Früher war ich Weltmeisterin im Runterspielen. Wenn jemand meine Schuhe lobte, kam mir nur ein Ach, die waren im Sale, total günstig! über die Lippen. Heute antworte ich: Danke! War auch harte Arbeit. 6 Wochen lag ich auf der Lauer, um sie dann im Sale zu schießen.
Früher habe ich meinen Status oft für Sympathie geopfert. Überlegenheit wirkt unter Frauen schnell unbeliebt. Also wählte ich lieber die Bescheidenheit, denn das fiel mir leicht.
Kampf um Status: Wer steht wo?
Männer wachsen dagegen mit Rangordnungen auf. Sie lieben den Wettkampf und die Kunst, zu imponieren. Treffen sie aufeinander, wird zuerst die Hierarchie ausgefochten. Im Hinterkopf schwingt immer mit: Es kann nur einen Sieger geben.
In meiner CrossFit- Box läuft es so: Während die Männer ihre Gewichte und Zeiten unbedingt an der Tafel sehen wollen, zählen viele Frauen gar nicht erst mit.
Um ihre Rangordnung zu verhandeln, verwenden Männer Sprache. Sie werfen alles in den Ring: Kompetenzen, Besitztümer, große Sprüche. Wer führt, bekommt Status. Das Spiel mit der Macht macht ihnen Spaß. Ist die Nummer Eins erst einmal ausgehandelt, wissen alle:
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Wem muss ich zuhören?
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Wer ist wichtig?
Sie wissen aber auch: Wer unten landet, wird oft nicht ernst genommen. Ihm hört man nicht zu, selbst wenn er inhaltlich topfit ist. Am Ende entscheidet oft der Rang über das Scheinwerferlicht, nicht die reine Kompetenz.
Abwertung gegen Aufwertung
Ja, Ausnahmen bestätigen die Regel. Doch unser Alltag liefert leider oft genug die Bestätigung der Klischees. Die Quintessenz: Frauen nutzen Sprache, um Nähe zu signalisieren, Männer für Verhandlungen über Hierarchien. Frauen bringen Unzulänglichkeiten ins Spiel, um Gemeinsamkeit zu schaffen. Männer neigen dazu, ihre Leistung aufzuwerten, um sich abzugrenzen.
Durch die gläserne Decke reden
Zwar besetzen immer mehr Frauen das mittlere Management, doch oben wird die Luft dünner. Viele Frauen arbeiten unter ihrem Kompetenzlevel, während sich mancher Mann ein Level über seinem eigentlichen Können tummelt. Wir hängen in unseren alten Rollenbildern fest.
Licht unter den Scheffel stellen? Das ist ein weibliches Spezialgebiet.
Bei Machtspielen mithalten
Noch wollen die Frauen aufschliessen, sich in Männerdomänen behaupten, die gläserne Decke durchbrechen und im Top-Management ihren Platz finden. Männer, die dort hin wollen, sind schon längst da.
Da hilft es einerseits, dass immer mehr Frauen ihren eigenen Stärken vertrauen, sie zeigen und behaupten.
Astrid Teckentrup ist Vorsitzende der Geschäftsführung von Procter und Gamble in der D-A-CH Region. Ihre Empfehlung an Frauen, die Karriere machen wollen: Konzentriere Dich auf das, was Du tust, denn Du kannst es — und habe Spaß dabei. Verschwende keine Zeit damit, Dir Sorgen zu machen, ob Du es gut machst oder nicht.
Zusätzlich hilft ein Blick auf die Mehrsprachigkeit.
Wir bewundern Menschen, die sich sicher auf internationalem Parkett bewegen. Wenn der Rang oft mehr zählt als die reine Leistung, ist es dann nicht ein massiver Vorteil, die „männliche“ Kommunikation zu beherrschen? Wenn Hierarchiespiele und Angriffe auf dem Weg nach oben dazugehören, spricht nichts dagegen, dass Frauen lernen, diese Spiele souverän bis zum Ende mitzuspielen.
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