Storytelling: 7 Urgeschichten, mit denen Sie Herzen gewinnen

von Birgit Schürmann

Storytelling: 7 Urgeschichten, mit denen Sie Herzen gewinnen

Shakespeare hat es gewusst. C.G. Jung auch: Es gibt Archetypen von Geschichten, auf die wir seit Jahrhunderten stark reagieren. Egal, in welcher Kultur oder in welchem Zeitalter wir leben. Welche Religion oder Bildung wir haben – diesen Urgeschichten können wir uns nicht entziehen.

Die Grundlage: Universale Muster, die wir intuitiv wiedererkennen. Weil sie immer in der gleichen Beziehungen zueinander stehen.

Was macht sie so besonders?

Ur- und Archetypen handeln von Menschen und was uns zu Menschen macht. Von Bedrohungen und unseren Sehnsüchten, die uns treiben. Von Sinnesfragen, die wir uns stellen. Von der Liebe. Der Komödie und Tragödie. Von der Suche nach Erlösung oder Erfüllung. Von der Frage: Was ist größer als wir?

Daher sollten Sie, wenn Sie professionelles Storytelling nutzen wollen – wenn Sie wollen, dass man Ihnen zuhört – an diese Urgeschichten andocken. Und die Themen aufgreifen. Es gibt genug Geschichten – der Fundus ist gewaltig. Denken Sie an die Bibel! Ich stelle Ihnen im Folgenden 7 Archetypen vor:

 

1. Das Böse lauert: Die Bedrohung

Die Überwindung einer außerirdischen Macht. Einer Naturkatastrophe. Eines Monsters. Gut gegen Böse. Zum Beispiel: „Starwars“, „Alien“, „Das Schweigen der Lämmer“. Es muss nicht immer personifiziert sein – das Böse kann auch von innen kommen. Hatten Sie mit Alkoholismus, Spielsucht, Drogen, einer Ehe mit einem schlagenden Partner oder mit einer schweren Krankheit zu kämpfen? Gab es in Ihrem Leben Schlüsselmomente? Ereignisse, die alles verändert haben? Wenn Sie sich nicht scheuen, persönlich zu werden – reden Sie über diese Erfahrungen.

Denken Sie darüber nach, wie Sie auf Ihr Publikum wirken wollen. Und setzten Sie dementsprechend Ihre Schwerpunkte: Wollen Sie nahbar wirken? Glaubwürdig, weil Sie wissen, wovon Sie sprechen? Als Mensch mit vielen oder außergewöhnlichen Erfahrungen? Oder wollen Sie Mut machen?

 

2. Ich riskiere alles: Die Mission

Ich will mich verwirklichen. Geschichten von Menschen, die auf der Suche nach Ihrer Berufung sind. Oder auf der Suche nach sich selbst. Der Typ: Entdecker, Abenteurer. Oder Pionier. Gute Beispiele sind: „Herr der Ringe“, „Hamlet“, die Gralsage, die Bibel. Gehört auch dazu: Vom Bettler zum König. Der Klassiker „Pretty Woman“ hat das Grundthema des Märchens Aschenputtel. Oder „Alladin und die Wunderlampe“.

Der richtige Geschichtentyp, wenn die Werte und Visionen Ihres Unternehmens lebendig werden sollen. Wenn die Gründung Ihres Unternehmens präsent werden soll. Wenn Sie wollen, dass Ihre Zuhörer wissen, wie hart Sie für Ihre Ziele gekämpft haben. Kann Produktentwicklung mitreißen? Ja – wenn Sie Ihr Produkt emotionalisieren. Und von Ihrer Mission erzählen. Ihren Visionen. Ihrem Weg, den Sie zurückgelegt haben.

 

3. Das war hart: Reise und Rückkehr

Geworfen in eine fremde Welt – und verändert zurückgekommen. Das Epos „Die Odyssee“ von Homer. „Cast away- verschollen“, die Robinson Crusoe Verfilmung mit Tom Hanks. „Vom Winde verweht“. „Alice im Wunderland“. Das Thema Heldenreise steht im Vordergrund. Was hat der Held auf seiner Reise erlebt? Was hat er gelernt? Wir lernen mit den Kämpfen und Veränderungen unseres Protagonisten. Das ideale Thema, wenn Ihr Unternehmen auf eine Krise zurückblickt. Und Sie mit Ihren Mitarbeitern Resümee ziehen. Was haben Sie daraus gelernt? Was hat sich entwickelt? Was ist besser geworden?

 

4. An erster Stelle: Komödie

Gemeinsam lachen bleibt weiterhin auf Platz 1: Filme wie „Eins, zwei, drei“ oder „The Big Lebowski“. Haben Sie einen sattelfesten Humor? Das beste Mittel, um Ihr Publikum zu fesseln. Haben Ihre Zuhörer einen ähnlichen Humor wie Sie? Bingo!

 

5. Schwere Kost – die Tragödie

Rührt zu Tränen: „Titanic“, “Brokeback Mountain“, „Macbeth“, „König Ödipus“. Lebensgeschichten wie die von Lady Diana, der Prinzessin der Herzen, Romy Schneider und Petra Schürmann. Das Leben und die Geschichte ist voll von gescheiterten Märchen. Voll von falschen Entscheidungen, jähen Abstürzen aus dem Glück. Märchen ohne Happyend. Erzählen Sie Geschichten über das Scheitern. Und wie man als Erfolgsmensch damit klar kommen musste.

 

6. Ich bin wieder da: Die Wiedergeburt

Eine Rückkehr aus einem Schatten. Zurück geholt oder sich neu erfunden. Wie zum Beispiel Uma Thurman in „Kill Bill“. Schneewittchen, die aus dem Glassarg steigt. Der optimale Geschichtentyp, wenn Sie Ihren Mitarbeitern nach einer Krise Mut machen wollen! Wenn es Veränderungen gab, die erst noch etabliert werden müssen.

 

7. Wer bin ich: Der Gestaltwandler

Der Gestaltwandler erscheint zweifelhaft. Ich werde von ihm verführt und irre gemacht. Kann ich mich auf ihn verlassen? Wird er mich betrügen? Wer ist er wirklich? Weit verbreitet: Die Femme fatale. Bereits in der Bibel stiftete Eva Adam an. Salome, die den Kopf des Johannes des Täufers forderte. Die Filme: „Basic Instinct“ oder „Eine verhängnisvolle Affäre“ leben davon. Beschreiben Sie mit diesem Geschichtentyp Ihre Sehnsüchte. Kräfte, die sich nicht aufhalten lassen wollen. Wenn man vor Liebe blind ist. Und da etwas ist, das unbedingt erfüllt werden will….

 

Meister des Storytelling: Der Baumarkt Hornbach

Das war eine ganz große Inszenierung: Ein tschechischer Schützenpanzer wurde zu Hämmern eingeschmolzen. In limitierter Auflage. Beworben mit martialischen Bildern, die das Bild vom archaischen Mann, der mit eigenen Händen Werte schafft, emotional aufladen. Der Hammer war in kürzester Zeit ausverkauft.

Ein Meisterstück darüber, wie man einen Hammer, den eigentlich fast jeder zu Hause hat und der auch nicht so schnell kaputt geht, zu einem begehrten Objekt machen kann. Dank Storytelling, das ans Herz geht.

Gemein, oder?

 

Praxistipp 1: Testen Sie Ihre Geschichten bei jeder Gelegenheit!

Sammeln Sie Ihre Geschichten. Testen Sie sie bei jeder Gelegenheit, die sich Ihnen bietet. Wie kommen sie an und welche Version ist die interessanteste? Merken Sie sich, an welcher Stelle Ihr Publikum reagiert!

 

Praxistipp 2: Werden Sie persönlich!

Gab es in Ihrem Leben entscheidende Ereignisse, die Sie verändert haben? Positiv wie negativ? An denen Sie gewachsen sind? Nichts berührt mehr als Ihre eigene Geschichte. Ihre wahre Geschichte. Mit alle Ihren Brüchen und Widersprüchen. Polieren Sie sich auf keinen Fall glatt!

 

Praxistipp 3: Stöbern Sie in Ihrem Regal!

Suchen Sie nach Märchen, Fabeln, Legenden, Sagen, Mythen. Welche Filme lieben Sie? Welche Biografien bewegen Sie? Nutzen Sie diese Struktur für Ihre Geschichten. Für Ihr eigenes Drehbuch.

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