von Birgit Schürmann
Smalltalk im Business - der blanke Horror?
Warum kommen wir nicht einfach direkt zum Punkt? Weil Smalltalk, so nervig er manchem erscheinen mag, das soziale Betriebssystem unserer Zusammenarbeit ist.
Darf ich Ihnen ein Geheimnis verraten? Es geht auch anders. Smalltalk muss keine hohle Phrase sein. Er kann der Moment sein, in dem aus Fremden Verbündete werden.
Vom "blanken Horror" zur echten Verbindung
Es gibt da diesen Freund eines Freundes, den ich nicht mochte. Kreuzten sich unsere Wege, schlug ich über Jahre einen großen Bogen um ihn, bis das Schicksal auf einer Geburtstagsfeier zuschlug: Der einzige freie Platz an der Kaffeetafel war direkt neben ihm.
In Sekundenschnelle überschlug ich meine Möglichkeiten und landete bei zwei Optionen:
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Angestrengtes Schweigen (ein kommunikatives Armutszeugnis für mich als Rhetoriktrainerin).
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Die Flucht nach vorne: Smalltalk.
Ich entschied mich für Option zwei, aber mit einem Twist: Ich beschloss, neugierig zu sein. Mich wirklich für ihn zu interessieren. Und wissen Sie was? Es entwickelte sich ein wunderbares Gespräch. Eine Riesenüberraschung! Seitdem mag ich ihn. Jetzt denke ich: Seine Art ist halt eigen, aber so what?
Was war passiert? Wir stellten in unserem Gespräch Nähe her. Echte Nähe. Wir erlaubten uns gegenseitig einen Blick in unsere Welten.
Warum Smalltalk mehr ist als Kaffeeküchen-Bla-Bla
Beim Smalltalk geht es paradoxerweise gar nicht um den Inhalt. Es geht um die Schwingung. Es ist das vorsichtige Abtasten: Stimmt die Chemie? Finden wir eine gemeinsame Wellenlänge?
Ein guter Einstieg ist keine Raketenwissenschaft, erfordert aber eine Entscheidung
Die Entscheidung zur Neugier.
Wenn Sie sich erlauben, kreativ zu sein, gibt es keine starren Regeln. Die Kommunikationsregeln definieren in diesem Moment nur Sie beide. Selbst wenn Ihr Dialog für Außenstehende wie eine Szene aus einer Comedy-Serie wirkt – völlig egal! Hauptsache, Sie schwingen sich aufeinander ein und bauen Vertrauen auf. Aus einem lockeren Geplänkel kann so jederzeit ein echtes, tiefes Gespräch entstehen. Es kann, es muss aber nicht.
Den Gemeinsamkeiten auf der Spur
Mein absoluter Favorit für einen entspannten Einstieg? Gemeinsamkeiten suchen. Das wirkt wahre Wunder und lässt sich trainieren.
Um das Gespräch richtig in Fahrt zu bringen, bleiben Sie Detektiv:
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Hat Ihr Gegenüber ein Haus mit Garten und Sie auch? Bingo!
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Die gemeinsame Begeisterung fürs Kärchern der Terrasse verbindet oft mehr als jeder Geschäftsbericht.
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Suchen Sie weiter: Haustiere, Sport, Serien, Müllberge in Berlin, die deutsche Bahn oder das Leid des Pendelns.
Und ja: Übers Wetter zu reden, ist nicht peinlich! Peinlich wird es nur dann, wenn Sie dort stehenbleiben und den Absprung zu anderen Themen verpassen.
Smalltalk ist wie Flirten
Wenn Sie beim besten Willen keine Gemeinsamkeiten finden: Stellen Sie Fragen. Viele Menschen sprechen gern über sich selbst. Schenken Sie Ihrem Gegenüber diese Bühne, schenken Sie Redezeit und Aufmerksamkeit.
Aber Achtung, Timing ist alles: Wer am Buffet gerade hungrig zum Brötchen greift, will kein Kreuzverhör erleben. Smalltalk braucht Fingerspitzengefühl. Smalltalk ist wie Flirten, alle Themen, die Sie bei einem ersten Date nicht anschneiden würden, können Sie auch im Business-Smalltalk weglassen.
Zeigen Sie sich von Ihrer besten Seite – aufmerksam, zugewandt und mit einem Lächeln. Ein echtes Lächeln überträgt sich auch durch den Bildschirm bei Zoom und Co. Ihr Ziel ist, dass sich Ihr Gegenüber in Ihrer Gegenwart einfach wohlfühlt.
Das Fundament für den Erfolg
Wenn Sie nach diesem positiven Austausch zum geschäftlichen Teil übergehen, hat sich die Basis komplett verändert. Sie starten nicht mehr bei Null.
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Sie haben eine soziale Brücke gebaut.
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Sie haben Vertrauen geschaffen.
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Sie haben Sympathie geerntet.
Am Ende ist es ganz einfach: Wir kaufen von Menschen, denen wir vertrauen. Und dieses Vertrauen beginnt oft mit einer ganz simplen Frage im Aufzug oder vor der Kamera.
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