von Birgit Schürmann

7 Ideen für einen wirkungsvollen Einstieg in Ihren Vortrag

Wie beginnt ein Boxkampf? Die Box-Hymne dröhnt durch die Halle. Gleichzeitig gehts Licht aus, ein Spot an. Er ist auf den Boxer, die Boxerin gerichtet, die zum Boxring einläuft. Bodyguards bahnen den Weg durch die Menge. Die bisher erworbenen Box-Gürtel werden stolz in die Höhe gereckt. Und unser Boxer, unsere Boxerin tänzelt mit hochkonzentrierter Miene hinter ihnen her. Die Stimmung im Publikum beginnt zu kochen. Was für ein Auftritt!

Wie beginnt ein James Bond? Gleich in der ersten Minute startet eine wilde Verfolgungsjagd. Kurz darauf trudelt James Bond in einem Hubschrauber über einer panischen Menschenmenge. Oder jagt mit 300 kmh über Stock und Stein. Rasante Schnitte. Dann der Vorspann mit dem angesagten James-Bond Song und James Bond im maßgeschneiderten, gutsitzendem Anzug. 

Was ist dagegen ein: Herzlich Willkommen, meine Damen und Herren, ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Heute spreche ich über die Erweiterung unseres Produktsegments. Wenn ich mich kurz vorstellen darf, mein Name ist...

 

Emotionen gewinnen Aufmerksamkeit

Erst einmal: es gibt kein richtig und kein falsch. Es gibt unzählige viele Möglichkeiten, in einen Vortrag, eine Präsentation einzusteigen.

Es gibt nur ein: Was kommt besser an, welcher Anfang bewegt? Wann wollen alle unbedingt hören, was Sie gleich zu sagen haben oder entschliessen sich fürs Gegenteil, sich die nächste halbe Stunde intensiv ums Handy zu kümmern oder freundlicherweise nur den eigenen Gedanken nachzuhängen.

Berührt uns etwas emotional, erreicht es sofort unsere Aufmerksamkeit.

Daher sind wir auch gleich zu Beginn des Boxkampfs und des James Bonds dabei. Wie übersetzen Sie das auf die Einleitung Ihres Vortrags? Wie bewegen Sie Ihr Publikum emotional, dass es sich brennend für Ihre Inhalte interessiert?

 

Floskeln, die alle schon tausendmal gehört haben

Auch wenn viele meinen, zum Auftakt nicht auf Floskeln verzichten zu können - lassen Sie sich davon nicht anstecken. Floskeln rufen niemanden hinterm Ofen hervor. Und wenn Sie sich wirklich freuen, dass Ihre Kollegen und Kolleginnen so zahlreich erschienen sind, beginnen Sie doch mit:

Heute sind 312 Kollegen und Kolleginnen hier, wow, wir freuen uns, dass Euch unsere Inhalte genauso am Herzen liegen, genauso wichtig sind, wie uns!

 

Verschenkter Einstieg

Fesseln Sie Ihre Zuschauenden nicht gleich von Beginn an, dann haben es später wesentlich schwerer, die volle Aufmerksamkeit zu erlangen. Erst recht, wenn die Zuschauenden in den Tiefen des Internets etwas Spannendes entdeckt haben.

Daher: Verschenken Sie Ihre ersten Minuten nicht!

Einleitungsklassiker zu Beginn sind: Sprichwörter, Zitate, Gedenk- oder Aktionstage, wie Heute ist der deutsche Mühlentag oder Der Welttag des Thunfisches. Beliebt sind ebenfalls Einstiegsfragen: Umfragen, rhetorische Fragen oder Schätzfragen. 

 

7 Ideen für den Anfang Ihrer Präsentation

Aus den viele Möglichkeiten, eine Präsentation, Rede oder einen Vortrag zu beginnen, stelle ich Ihnen eine kleine Auswahl vor. 7 einfache Ideen für einen originellen Einstieg. Lassen Sie sich davon inspirieren und entwickeln Sie daraus Ihren eigenen, kreativen Anfang. Haben Sie den Mut, ungewöhnlich zu starten - unser Publikum liebt es, wenn es überrascht wird.

 

1. Zu Beginn eine Geschichte 

Einerseits ist es immer eine gute Idee, in eine Präsentation mit einer Geschichte einzusteigen - andererseits lässt eine langatmige Einleitung in Ihre Geschichte die Zuschauer wieder aussteigen. Beginnen Sie mit Ihrer Story genau da, wo es spannend wird. 

Machen Sie es wie James Bond: Jagen Sie gleich zu Anfang des Vortrags den Bösewicht. Ihrem Publikum muss nicht jedes Detail zu Ohren kommen. Warum der Bösewicht jetzt sein Leben lassen soll, erklärt uns auch niemand. Das sollen wir uns bitteschön selber denken.

 

2. Anfangs den Flurfunk petzen

Kennen Sie Ihr Publikum gut? Dann kennen Sie bestimmt auch den Flurfunk. Mit  Sicherheit haben Sie Sätze auf Lager, die Sie schon tausend Mal von Ihren Kollegen, Mitarbeiterinnen oder Kunden, Kundinnen gehört haben. Und Sie wissen auch genau, was diese denken, wie sie ticken. Dann raus damit! Je besser Sie den O-Ton treffen, desto elektrisierender ist seine Wirkung. Zum Beispiel: Das haben wir doch schon immer so gemacht.

Hier ein Beispiel aus der Schauspielbranche:

Liebe Leute, in Kleinohrhasen spielen Till Schweiger und Nora Schirner Klassenkameraden. Im wirklichen Leben ist Till Schweiger 17 Jahre älter als Nora Schirner. Ja klar, das haben wir schon immer so gemacht, die Männer älter besetzt - aber wissen wir nicht alle, so einen Altersunterschied gibt´s im wahren Leben an der Schule nicht? Was erzählen wir denn da? Und warum? Damit Till Schweiger jünger wirkt? Oder weil eine ältere Schauspielerin nicht sexy genug wirkt?

 

3. Der verbindende Einstieg

Wenn Sie Ihre Zuschauenden gut kennen, dann kennen Sie sicherlich auch die Probleme, die sie mitbringen. Bestimmt gibt auch ein gemeinsames Problem, eins, dass sie alle verbindet. Vielleicht warten sie alle auf etwas? Oder wollen alle unbedingt etwas bestimmtes wissen? Fürchten sich alle vor etwas?

Warum nicht aufgreifen, worüber alle meckern? 

Banken schmücken sich mit Regenbogenbannern, jede Werbung zeigt uns Paare interkultureller Herkunft. Nur ein will sich auf Teufel komm raus nicht ändern: Schauspielerinnen ab 40 werden immer noch konsequent durch jüngere Kolleginnen ersetzt. Spiele ich im Film eine Mutter, ist mein Kind nur 10 Jahre jünger als ich. Wie lange sollen wir noch warten, bis sich die Besetzungsvorstellungen ändert? Wie viele Jahre? Erleben wir das noch? Oder erst die nächste Generation?

 

4. Der Auftakt, der die interessanteste Seite zeigt

Setzen Sie bei Ihrem Vortrag gern Medien ein und präsentieren Sie ein neues Produkt? Dann ist eine Slideshow, eine Fotostory oder auch ein kurzes Video zum Auftakt Ihrer Präsentation genau das Richtige für Sie. Sie können Ihr Produkt nicht nur von allen Seiten präsentieren, sondern auch zusätzlich Musik, Effekte und Texte einsetzen.

Ich war mal bei einem Vortrag über die Erderwärmung zu Gast: Zu Beginn des Vortrages zeigte eine Slideshow kalbende (und krachende) Eisberge. Bilder und Ton waren eindrucksvoll.

Würde ich zur Besetzung von Schauspielerinnen ab 40 referieren, würde ich beispielsweise haarsträubende Besetzungen mit großen Altersunterschieden einblenden. Oder Original-Zitate abspielen, die ältere Kolleginnen über sich ergehen lassen mussten (Waaas? Sie spielen noch????? oder: Ach, Du willst Schauspielerin werden? Und was machst Du ab 30??)

 

5. Der Anfang zum Anfassen

Gegenstände, Requisiten, Mitbringsel, alles, was sich von der Größe her in ihre Tasche passt, eignet sich super zum mitbringen und zeigen. Setzten Sie Ihren Gegenstand gut in Szene, stellen Sie die Funktionen vor, welche Bedeutung es für Sie hat, welchen Nutzen für Ihr Publikum und drücken Sie es den Zuschauenden in die Hand.

Wir Menschen lieben Requisiten: angucken, anfassen, riechen.

Es muss nicht eins zu eins sein. Reden Sie beispielsweise über Herzinsuffizienz, müssen kein Herz in der Hand halten. Manchmal ist es charmanter, wenn Sie Ihr Thema, ihre Botschaft, über die Sie sprechen wollen, von ihrem Gegenstand, ihrem Requisit ableiten. Oder wenn Sie Ihr Requisit sinnbildlich für etwas steht lassen: beispielsweise eine alte Konservendose für eine angestaubte Beziehung.

 

6. Der Start, der gleich zwei zitiert

Manchmal eröffnet uns ein kurzer Dialog Welten. Haben Sie zu Ihrem Thema einen typischen Schlagabtausch im Kopf? Vielleicht einen Dialog zwischen einem Mitarbeiter, Mitarbeiterin und einem Kunden, Kundin? Können Sie den wiedergeben? Nicht zitieren, sondern besser noch: dialogisch sprechen ? Dafür müssen Sie kein Schauspielerin sein! Im Gegenteil, diese Form nutzen wir alle in unserer täglichen Kommunikation.

Das folgende Beispiel ist einer Freundin von mir passiert. Ich würde es im Vortrag so erzählen: 

Mein neues e-Bike wurde geklaut. Das erzähle ich meinem Bruder. Sagt mein Bruder: ich habe Dir doch einen Air-Tag für dein e-Bike geschenkt, du kannst doch verfolgen, wo es jetzt steht. Ja, sag ich, aber erst stand es in einem Mietshaus in Schöneberg, wie soll ich denn da rein kommen und jetzt ist es in Danzig. Mein Bruder: Nee, was, Danzig? Das glaub ich jetzt nicht! Und die Polizei? Vergiss es. Und die Versicherung? Ja, die hat Gottseidank gleich gezahlt.

 

7. Die Einleitung, die schnell ins Blut geht

Eine steile These, ein Vorwurf, ein Statement, eine aufrüttelnde Zahl oder Statistik zu Beginn Ihres Vortrags stellt es eine starke Dynamik her. Vor allem, wenn Sie es unerwartet aus der Hüfte schießen, niemand damit rechnet und Ihr Statement provoziert. Wenn Sie gegen jede Erwartung zu verstoßen, sind Sie nicht nur ratzfatz im Thema, sondern erhitzen auch die Gemüter und die volle Aufmerksamkeit ist Ihnen gewiss.

Sind Sie Ihrer Meinung nach im Alter gut versorgt? Ich sag Ihnen, damit sind Sie zu 100 % auf dem Holzweg!

Oder:

Die Universität Rostock hat eine Studie über audiovisuelle Diversität veröffentlicht. Laut dieser Studie kommen Frauen und Männer in Film und Fernsehen

• bis zu einem Alter von Mitte 30 Jahren in etwa gleich oft vor,

• ab Mitte 30 kommen auf eine Frau zwei Männer,

• ab 50 Jahren kommen auf eine Frau drei Männer. 

Dieser Schwund findet in allen Sendern über alle Formate und Genres statt, das gilt auch für Kinofilme. Dabei - im Vergleich - sind Frauen zwischen 40-59 die größte Bevölkerungsgruppe Deutschlands.

0 Kommentare

Einen Kommentar schreiben