von Birgit Schürmann

Sei nicht langweilig! Christian Bischoff zu Gast

Ein Interview mit dem Motivationstrainer, Lifecoach und mehrfachen Autor Christian Bischoff über motivierende Vorträge: 

Wenn ich mein Publikum motivieren will, brauche ich ein eigenes Feuer eine große Begeisterung für die Sache. Wie stellst Du immer wieder Dein eigenes Feuer her?

Leidenschaft ist etwas absolut zentrales. Du brauchst in meinen Augen drei Dinge, um diese Leidenschaft zu entwickeln:

1.Einen hohen Wertekodex: Du musst nach höchster Qualität streben, Du solltest immer die Erwartungen Deiner Kunden übertreffen und Du brauchst einen guten zwischenmenschlichen Umgang - das macht ja kaum noch einer!

Und so ist es auch mit der Leidenschaft: ich bin das Thema Persönlichkeitsentwicklung 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Das, was ich erzähle, das erzähle ich nicht, sondern das mache ich! Mein Ziel ist, anderen Menschen zu helfen, ich habe mich dieser Sache voll verschrieben und das merken Menschen.

2.Du brauchst einen Sinn: Warum tust Du, was du tust? Du brauchst eine Aufgabe, die größer ist, als Du selbst. Es muss um mehr gehen, als um das eigene Ego und es muss um mehr gehen, als Geld. Geld ist das Resultat, dass wir die Erwartungen von Leuten übertreffen und ihnen so gut wie möglich helfen. Was will der Kunde, was braucht der Kunde und wie kann ich ihm das zu einer Qualität geben, die er sonst nirgendwo findet?

3. Permanentes Wachstum.

 

Wie baust Du Deine Vorträge auf? Im Theater würde man sagen: Wie ist Dein dramaturgischer Bogen?

Wenn Du beginnst, hast Du ungefähr 30 Sekunden, da hört Dir jeder im Raum zu. In den ersten 30 Sekunden wird eine Entscheidung getroffen: Ist das, was Du sagst, wirklich relevant, interessiert das das Publikum?

Das bedeutet: Du musst immer mit einem Paukenschlag starten! Nicht: Hallo, es freut mich, dass ich hier sein kann - das interessiert keine Sau.

Komm zum Punkt, ich mache das entweder über eine Geschichte oder über eine Interaktion. Keine 10 Sekunden dauert das, das Publikum muss drin sein. Ein Vortrag braucht substanzielle Nachhaltigkeit - Inhalt ist immer wichtig! Die Leute sollen 3-5 Punkte mit nach Hause nehmen, die sie im Idealfall zitieren können.

Ich arbeite viel mit dem episodischen Gedächtnis. Wir Menschen haben zwei Arten von Gedächtnissen: das semantische Gedächtnis, das reagiert auf Wiederholungen. Da hören wir aber nach einer Zeit nicht mehr zu, denn wir leben in einem Informationsüberlastungs-Zeitalter.

Das zweite ist das episodische Gedächtnis, das reagiert auf überraschende, einzigartige Erlebnisse, sprich Dinge, die sofort hängen bleiben, weil wir sie so nicht gewohnt sind. Wenn wir Wörter benutzen, die im Alltag vielleicht tabuisiert sind, erreichen wir in Coachingsituationen viel schneller das episodische Gedächtnis von Menschen.

Ein Top-Vortrag hat immer 9 Inhaltsmerkmale:

  1. Er hat eine klare Struktur
  1. Er hat neuartige Inhalte. Wir müssen nichts Neues erfinden, aber wir sollten als gute Redner in der Lage sein, es neu zu verpacken.
  1. Wissenschaftliche Belege für die Glaubwürdigkeit für Dich als Referenten.
  1. Metaphern
  1. Geschichten
  1. Er sollte eine Menge Spaß haben.
  1. Er sollte das Herz berühren.
  1. Er sollte mindestens einmal sein Publikum zu Tränen rühren.
  1. Dein Vortrag sollte eine positive Überraschung haben, mit der überhaupt keiner rechnet.

Und das unsichtbare, woran sich die herausragenden von den guten Redner unterscheiden: Deine eigene Persönlichkeit ist ganz entscheidend!

 

Welche Glaubenssätze sollten Menschen, die andere motivieren wollen, über sich selber mitbringen?

Es muss einen inhaltlichen Strang geben, der sich durch Dein Leben zieht, damit Du aus Erfahrung sprechen kannst, denn aus dieser Vertikalen kommt eine inhaltliche Tiefe. Es sind nicht mehr die Inhalte, die unbedingt zählen - die könntest Du mit genügend Recherche überall im Internet finden - es ist die Person, die es vermittelt.

Es ist nicht nur entscheidend, was Du sagst, sondern wie Du es sagst. Dann brauchst Du herausragende Inhalte mit einer herausragenden Präsentation.

Du musst authentisch leben, was Du sagst. Heute im Social-Media-Zeitalter sehen die Leute sofort, ob dass, was Du erzählst, auswendig gelernt ist, ob es daher gesagt ist, weil Dich das Thema interessiert, oder ob Du das wirklich bist.

Nicht der Beste sein zu wollen, sondern sein Bestes geben zu wollen. Ich helfen jedem im Raum nach bestem Wissen und Gewissen, so gut es mir irgendwie möglich ist.

 

Wie motivieren sich Redner, die ihre Zuschauer motivieren wollen, im besten Falle selber?

Die meisten stehen auf der Bühne, weil sie Lob und Anerkennung haben wollen. Den Applaus des Publikums, zu hören, dass sie gut so sind, wie sie sind. Die Liebe haben wollen, die sie zuhause in ihrem Elternhaus von Mama und Papa nicht bekommen haben, suchen wir als Ausweichmechanismus woanders. Dieses Bedürfnis kann kein Publikum auf Dauer befriedigen.

Die richtig guten Leute, die ich kenne, sind alle über ihr Ego hinaus gewachsen und wollen Leuten wirklich helfen. Es geht um den Kunden: was braucht er? Nicht mehr gut da stehen wollen, denn dann handelst Du immer aus einer Defizit-Haltung heraus. Wenn Du Lob, Anerkennung oder Bewunderung willst, bist Du selbst noch bedürftig. Ein Bedürftiger kann anderen Menschen nicht wirklich helfen.

Bring als Redner substanzielle Tiefe auf die Bühne, die die Leute bewegt und die sie zum Nachdenken bringt. Mit der Du Spuren in ihrem Herzen und Wärme in Ihrer Seele hinterlässt.

 

Viele Eltern und Lehrer scheitern daran, Jugendliche zu motivieren. Dir gelingt es. Was machst Du anders?

Ich weiß, was ihre Themen sind. Ich habe im Profisport mit Jugendlichen gearbeitet. Ihre Themen sind: Pubertät, sich selbst kennen lernen, den eigenen Körper zu akzeptieren, Selbstzweifel und bei den allermeisten mangelndes Selbstvertrauen. Jugendliche brauchen jemanden, der sie aufbaut, der sie besser sieht, als sie sich selbst sehen können.

Meine Schulveranstaltung heisst zwar: Motivationstraining für Jugendliche, aber am Ende geht es darum, sie 90 Minuten aufzubauen und das von der ersten Minute an, ohne dass sie es selbst merken.

Sie sagen dann nach dem Vortrag: „Ich habe mich in der Schule noch nie so gut gefühlt!“ oder „In der Klasse war noch nie so eine gute Stimmung wie am Tag nach der Veranstaltung!“ oder „Anschliessend sind alle so respektvoll miteinander umgegangen“.

Menschen reagieren auf zwei Arten, erstens, wenn Du sie unter Druck setzt und zweitens, wenn Du sie besser siehst, als sie sich selber sehen. Die zweite Methode ist nachhaltiger, um Menschen zu erreichen und zu bewegen.

 

Was sind die wichtigsten Werte, die Du den Schülern mit auf den Weg gibst?

Wir sprechen in dem Vortrag über so altbackene Werte wie Respekt, Disziplin, Selbstvertrauen, Konzentration, Ausdauer und guter Umgang. Es ist nicht entscheidend, worüber wir reden, es ist entscheidend, wie Du das machst und wie Du sie ansprichst. Dann hören sie Dir auch zu.

 

Ein Vortrag braucht einen guten Einstieg, der das Publikum fesselt. Schülern merkt man sofort an, wenn sie etwas nicht interessiert. Sie bleiben nicht ruhig sitzen und langweilen sich gepflegt. Wenn man sie in Bann zieht, sind sie hingegen das weltbeste Publikum. Wie ist Dein Einstieg?

Sobald die Schüler in den Raum kommen, begrüße ich sie persönlich. Wenn 500 in den Raum kommen, begrüße ich zumindest die erste Reihe persönlich. Und wenn der Vortrag losgeht, könnte ich die 20-30, die in der ersten Reihe sitzen, mit Namen ansprechen.

Und das nutze ich in den ersten drei Minuten: Ich bringe ein Beispiel, guck eine Person an und spreche ihn mit Namen an. Das hat eine Auswirkung auf den kompletten Raum! Selbst in der letzten Reihe fragen sie sich: Woher kennt der den Namen von dem Stefan, dem Neuntklässler in der ersten Reihe?

 

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