von Birgit Schürmann

Präsentieren im Team - was tun, wenn mein Kollege sich in den Vordergrund drängt

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie präsentieren im Team und Ihr Kollege gibt dem Affen Zucker. Zugegeben, er ist rhetorisch eloquent, aber hört sich gern reden. Er redet und redet, Ihr Gesprächsanteil wird kleiner und kleiner und gleichzeitig wächst Ihre Sorge, abgehängt zu werden. Das Publikum klebt an seinen Lippen, lacht über jeden noch so dummen Scherz und Sie fragen sich, ob Sie diesen Vorsprung jemals aufholen können... Jetzt wirft er auch noch Verabredungen über Bord und langsam reichts Ihnen!

Auch wenn es anders verabredet war und Sie denken: "Oh ne, was für ne Rampensau!", es jetzt öffentlich zu machen, fällt leider auf Sie zurück. Ein: „Wenn ich jetzt auch mal was sagen darf.... oder ein: „Hallo! Das war gaaanz anders abgesprochen!“ bringt Ihnen leider null Sympathiepunkte.

 

3 Methoden, die Sie unterstützen, präsent zu bleiben

1. Augen zu und durch

Wenn Sie sich jetzt hilflos fühlen und nicht weiter wissen: Augen zu und durch! Beißen Sie Ihre Zähne zusammen, halten lächelnd durch, lassen Sie sich nichts anmerken und warten auf den Moment, in dem Ihr Partner sich daran erinnert, dass Sie als Team angetreten sind. Wenn möglich, machen Sie ihren Partner später zur Schnecke, wenn die Präsentation vorbei ist.

2. Neue Regeln aufstellen

Es passt immer, wenn Sie sich mit: "Ich würde gern noch was ergänzen...." zu Wort melden. Wenn Sie das Wort bekommen, ergänzen Sie das Thema, und dann schlagen Sie einen Bogen zu Ihrem Inhalt. Nachdem Sie fertig sind, geben Sie das Wort mit einer Überleitung zurück: "Ich habe Ihnen jetzt einiges über XX erzählt, meine Kollegin wird Ihnen nun präsentieren, was Ihnen Methode XY bringt".

Sie eröffnen damit eine neue Verabredung, die heißt: "Ich übergebe Dir öffentlich den Staffelstab". Die meisten Kollegen verstehen die Einladung und behalten die Verabredung im Laufe des Vortrags bei.

3. Die Neugierde Ihres Publikums wecken

Wenn Sie nach einer gefühlten Ewigkeit noch Kraft haben und Ihnen Ihr Humor noch nicht abhanden gekommen ist, dann lassen Sie ihn jetzt für sich arbeiten. Das ist die Methode, die mir persönlich am besten gefällt. Selbst ein kleiner humorvoller Einwand, der gut sitzt, lässt die Aufmerksamkeit der Zuschauer der Präsentation auf Sie schwenken. Das Publikum wird neugierig und wartet förmlich auf Ihre nächste Einlage.

Wenn Sie zwei oder drei Mal kurzzeitig für Heiterkeit gesorgt haben, muss Ihr Kollege dieser Aufmerksamkeit Raum geben und - ob er will oder nicht - Sie zu Wort kommen lassen.

 

7 Punkte, die Ihrem Team eine gelungene Präsentation bescheren

1. Kollegen mit Ihrer Präsenz unterstützen

Eine Teampräsentation lebt von der gegenseitigen Unterstützung. Von der gegenseitigen Anerkennung. Signalisieren Sie dem Publikum mit Ihrer Körpersprache, dass Sie ein Team sind: Unterstützen Sie sich gegenseitig mit Ihrer Präsenz.

Steht ein Kollege vorn und spricht, stehen auch Sie präsent vorn. Auf keinen Fall dahinter. Wuseln Sie jetzt nicht im Hintergrund herum, verschönern Flipcharts, sortieren Unterlagen oder klicken die PowerPoint weiter. Denn wenn Ihre Aufmerksamkeit nicht auf Ihrem Kollegen, Ihrer Kollegin liegt, warum sollten das Publikum dieser Person aufmerksam zuhören?

Klar, Sie hören wahrscheinlich auch zu, ohne ihn oder sie anzusehen - aber zeigen Sie es bitte auch den Zuschauern der Präsentation. Auf der Bühne müssen unsichtbare Vorgänge sichtbar gemacht werden. Je nach Temperament können Sie ihn oder sie sichtbar mit Ihrer Begeisterung unterstützen und den Zuschauern signalisieren, wie interessant der Inhalt ist.

 

2. Redeanteile gleichmäßig verteilen

Egal, wie viele Menschen präsentieren, es ist wichtig, dass allen derselbe Raum, dieselbe Präsenz eingeräumt wird. Das bedeutet: alle bekommen den gleichen Redeanteil und das Verhältnis ist ausgewogen. Wenn Sie beispielsweise zu zweit sind, sollte sich nicht der Redeanteil auf 80 Prozent und 20 Prozent verteilen. Dann werden Sie nicht als Team wahrgenommen.

Die Zuschauer fragen sich: "Warum ist es so ungleich verteilt, was ist denn da mit den Rollen los? Ist die Person, die weniger spricht, nicht so wichtig? Hat sie nichts zu melden oder ist der Inhalt nicht so wichtig?"

 

3. Sich die Bälle zuwerfen

Ein Publikum liebt die Abwechslung. Am besten, sie haben eine gemeinsame Struktur und werfen sich darin die Bälle zu. Das ist für die Zuschauer viel interessanter als: „Ich rede die erste halbe Stunde und Du die zweite“.

Sprechen Sie sich vorher ab, ob es okay ist, wenn Sie sich gegenseitig unterbrechen. Ob Sie sich soweit vertrauen, dass sich nicht darüber aufregen, wenn Sie unterbrochen werden, weil sie wissen, dass Ihnen beiden das Thema am Herzen liegt. Weil Sie wissen, dass eine Unterbrechung dem Inhalt oder dem Fluss der Präsentation dient.

Laden Sie sich gegenseitig zum reden ein: "Möchtest Du noch etwas hinzufügen?"  Oder wenn Sie eine Überleitung geben, dem Kollegen den Weg ebnen mit: „Ich habe Ihnen jetzt viel über X erzählt und nun wird Sie meine Kollegin über XY informieren....".

 

4. Coole Teams zusammenstellen

Wenn Sie Ihre Team-Konstellation auswählen können: Ergänzen Sie sich durch unterschiedliche Rollen, Persönlichkeiten oder Geschlechter. Ein Mann und eine Frau ist schon mal eine gute und ausgewogene Kombination. Ebenfalls eine gute Kombi: eine humorvolle und eine sehr ernste Rolle. Oder alt und jung, auch da steckt eine interessante Spannung für die Präsentation drin.

Gegensätzliches bewährt sich, Rollen, die weit auseinanderliegen. Probieren Sie die Kombinationen aus und testen Sie, was für den Kontext am besten passt.

 

5. Gegenseitige Wertschätzung signalisieren

Eine Präsentation im Team lebt von der gegenseitigen Wertschätzung, vom Vertrauen in das Wissen des anderen. Wenn Sie Redebeiträge des anderen mit einem missbilligendem Blick quittieren, ihm vielleicht auch mit unbewusster Körpersprache zu verstehen geben, „Naja, ich hätte das besser erklärt!“ oder „Was soll das denn jetzt, diese Info ist doch nicht so wichtig??!“ oder „Diese Info ist vieeeel zu früh!“, dann verunsichert das nicht nur ihren Partner, sondern auch Ihr Publikum bekommt ihr Misstrauen mit.

Ab diesem Moment beginnen die Zuschauer, sich über Ihre Beziehung zueinander Gedanken zu machen und Ihr Inhalt wird zur Nebensache. Andererseits fangen die Zuschauer an, ihren Kollegen und dessen Inhalt ebenso misstrauisch zu bewerten, wie Sie es tun, und das fällt auf die Wirkung der gesamten Präsentation zurück.

 

6. Nichts sagen und intelligent wirken

Wenn Sie nicht dran sind, wenn Sie eine Pause haben, dann bedeutet es nicht, dass Sie sich entspannt zurücklehnen können. Einfach privat rumstehen, empfehle ich nicht. Bestenfalls wirken Sie so, als könnten Sie jeden Augenblick etwas sehr Intelligentes zum Inhalt Ihres Kollegen beitragen und Sie tun es nur nicht, weil Sie ihm den Vortritt lassen. Ob Sie dazu in der Lage sind, ist völlig egal, Hauptsache, Ihre Wirkung stimmt!

 

7. Verrutschte Inhalte balancieren

Was tun Sie, wenn Ihr Kollege nicht sattelfest im Inhalt ist? Wenn ihm oder ihr der Inhalt der Präsentation verrutscht? Stellen Sie ihn nicht öffentlich bloß mit: „So würde ich das nicht sehen!“, „Das haben wir so nicht besprochen!" oder „Das Thema ist jetzt nicht dran!“.

Korrigieren sie sanft die inhaltliche Richtung durch: „Andererseits kann man es auch so sehen", "können Sie sich auf Aspekt XY konzentrieren“, „ein weiterer seeehr wichtiger Punkt ist...“ oder „zusammenfassend rückt dann Aspekt XY in den Vordergrund...“.

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