von Birgit Schürmann

Ist hier noch jemand wach?

Kürzlich las ich: “Wir erzählen Kindern Geschichten, damit sie einschlafen und Erwachsenen, damit sie wach bleiben!“ 

In der Werbung ist das Thema Storytelling schon längst angekommen: Große Automarken produzieren witzige Werbefilme, bei deren erstmaliger Ansicht man sich zuweilen fragt, um welches Produkt es sich handelt. Oder man versteht erst zum Schluss, dass dies Werbung war. Ist der Werbeclip gut, ist es (für die Autoindustrie) eine prima Sache, denn man behält die Geschichte länger im Kopf. Und man bewundert die Werbeagentur der Automarke für ihre Ideen.

Das gleiche Prinzip funktioniert auch in Vorträgen. Häufig stellten mir Teilnehmer meiner Trainings die Frage: „Meine Präsentation besteht nur aus Fakten – da kann ich doch keine Geschichte draus machen!“

Nehmen wir an, es handelt sich um einen Ingenieur aus der Baubranche. Oder einen Arzt, der einen Vortag über Herzkatheter hält. Beide sind nicht in der Werbebranche tätig und die Entwicklung kreativer Geschichten ist nicht der Inhalt ihrer täglichen Arbeit. Was können sie tun, um ihre Präsentationen mit Geschichten zu bereichern?

3 Drehbuchstoffe, die Sie nutzen können:

 

Vergleiche schaffen

Vergleichen Sie die Vorgänge, Prozesse oder Ereignisse, die Sie beschreiben wollen, mit Situationen aus dem Leben: „Das ist, als ob die Kollegin, die immer ab Punkt 7 Uhr am ihrem Arbeitsplatz sitzt, auf einmal….., meine Katze, die immer sehr hungrig ist…., ich morgens aufstehe und…., ich im KaDeWe in der Gourmet Abteilung stehe…, oder: „Wenn Sie mit Ihrer neuen Flamme im Restaurant zu Abend essen, dann ist das doch wie…“ und vielleicht auch: „Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit 300 km über die Autobahn, dann hat das denselben Effekt, als ob…“.

 

Das ging fast in die Hose

Zeigt Fachkompetenz: Gibt es etwas, dass Ihnen beinahe nicht gelungen ist? Sie erst im letzen Augenblick bewältigen konnten? Das kann Drehbuchstoff für eine spannende Geschichte sein! Überlegen Sie sich, wie Sie diese Geschichte erzählen wollen. Welche Informationen sie weitergeben wollen, welcher Blickwinkel interessant sein könnte und mit welchem Gefühl oder Gedanken die Zuhörer aus der Geschichte gehen sollen.

Es gab vielleicht große Schwierigkeiten und was haben Sie alles drangesetzt und getan, um die Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen?

Achtung: Dabei nicht mit dem Hintergedanken „Was waren wir toll!“ erzählen, das kann den gegenteiligen Effekt hervorrufen. Der Fokus sollte immer sein: „Welche Hindernisse gab es, was wir alles versucht haben und wie es im letzen Augenblick doch noch geklappt hat!“.

 

Dinge, die alle kennen

Haben Sie pubertierende Kinder? Und die haben sich mal wieder unmöglich verhalten? Ein Großteil der Zuhörer haben Kinder und kennen sich mit diesem Thema aus. Oder gibt es Vorkommnisse in Ihrer Branche, die allen bekannt sind? Worüber sich alle beschweren? Maschinen, die eventuell Mängel aufweisen oder schwer zu bedienen sind, Prozesse, die häufig Ärgernisse hervorrufen oder vielleicht Kunden oder Abteilungen, die immer wieder nerven?

Ebenfalls guter Drehbuchstoff! Damit bekommen Sie die Kollegen ins Boot, das kennt jeder und man wird sich freuen, wenn Sie die Dinge benennen oder sogar witzig auf den Punkt bringen.

Fazit: Scheuen Sie sich nicht, persönlich zu werden! Und – nicht nur erzählen, um zu erzählen. Die Geschichten sollten immer im Bezug zu Ihrem Thema stehen.

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