von Birgit Schürmann

9 rhetorische Stilmittel, die Ihren Auftritt aufpeppen

Rhetorische Mittel lassen Ihren Auftritt lebendiger, moderner und emotionaler wirken. Sie verleihen Ihrer Performance eine persönliche Note, Ihre Inhalte erfahren nicht nur eine größere Aufmerksamkeit, sondern bleiben besser im Gedächtnis Ihrer Zuhörer und Zuhörerinnen hängen.

 

1. Neue Worte schließen Lücken

Was haben twittern, toppen und tindern gemeinsam? Aufploppen, entschleunigen und blankziehen? Hartzen, Nerd und Digger, was geht?

Die Worte sind neu, es sind sogenannte Wortneuschöpfungen.

Und was eint Fake-News, Lügenpresse und Gendersternchen? Maskenpflicht, Mindfuck und Wohlstandsverwahrlosung? Brexit, Enkeltrick und Wutbürger?

Diese Begriffe sind neu zusammengesetzt. Einzeln gab es Begriffe, die Wortbausteine schon, aber nicht in der Kombi, also ist es jetzt eine Wortneukombination.

Unsere Gesellschaft entwickelt sich weiter, dementsprechend tauchen neue Zusammenhänge auf, die es vorher so nicht gab und die wollen benannt werden. Sie müssen ja irgendwie heißen. Wortneuschöpfungen und Wortneukombinationen schließen dann die Lücken in unserer Sprache. Das entsprechende rhetorische Stilmittel heißt Neologismus.

ABER: sobald einer dieser Begriffe im Wörterbuch auftaucht, verliert er den Status des Neuwortes. Ob es der, die oder das Laptop heißt, kann ich mittlerweile im Duden nachschlagen, dementsprechend ist der Begriff Laptop in den offiziellen Sprachgebrauch übergegangen, ist nicht mehr neu und nicht mehr als Neologismus erkennbar. 

Gerade der Neologismus birgt viel Kreativität, daher finden wir dieses rhetorische Stilmittel nicht gehäuft in der Literatur, sondern auch in der Werbung und Jugendsprache.

 

2. Euphemismus färbt schön

Den Euphemismus benutzen wir, wenn wir gesellschaftliche Tabuthemen umschiffen wollen. Wenn wir keinen reinen Wein einschenken wollen. Keinen Klartext reden wollen. Wenn es für uns unangenehm wird, übertreiben oder untertreiben wir.

Weil wir höflich und respektvoll sein wollen, Rücksicht nehmen wollen, mildern wir Tabuthemen wie Krankheit, Übergewicht, Armut, Sexualität und Tod ab.

Euphemismen sind streng genommen Schönfärbereien:

  • Wir sagen bildungsfern, wenn wir denken, mann, ist er oder sie dämlich,
  • einschläfern statt töten,
  • Fake News statt Lügen.
  • dritte Zähne statt Gebiss,
  • Seniorenresidenz statt Altersheim,
  • er oder sie ist kräftig, vollschlank, füllig, korpulent, adipös statt dick.
  • Stirbt jemand, sagen wir: das Zeitliche segnen, von uns gehen, friedlich entschlafen oder den Löffel abgeben,
  • Entsorgungspark statt Müllhalde,
  • Ehrenrunde drehen statt sitzen bleiben.
  • Betriebsoptimierung statt Entlassung,
  • wir müssen leider die Preise anpassen statt wir erhöhen die Preise,
  • Nullwachstum für Stillstand.
  • Babys machen Bäuerchen und rülpsen nicht und
  • das Maurerdekolletee steht für den blitzenden Allerwertesten.

 

3. Dysphemismus wertet ab

Das semantische Gegenteil von Euphemismus ist der Dysphemismus. Der Dysphemismus verschleiert nicht, er färbt nicht schön, er wertet nicht auf, sondern im Gegenteil - er wertet ab. Schlechtreden statt Schönreden:

  • Saftschubse statt Flugbegleiterin,
  • Penner statt Obdachloser,
  • Ungeziefer statt Insekten.
  • Fixer statt Drogenabhängige,
  • sich zusammenrotten statt versammeln, 
  • Terroristen statt Gegner und
  • Glotze statt Fernseher. 

 

4. Diminutiv bäckt kleine Brötchen

Das Diminutiv wiederum ist eine Variante des Euphemismus. Wollen wir ein Päuschen mache? Und ein Pläuschen halten? Ich hab da noch ein Problemchen, können wir es mal beim Käffchen besprechen? Das Diminutiv verkleinert Substantive und Nomen. Wir verniedlichen, indem wir ein -lein oder ein -chen dranhängen.

Meist nutzen wir die rhetorische Stilfigur, um aus einem Substantiv, einem Nomen eine Kosewort zu machen oder um etwas zu benennen, das klein oder jung ist.

  • Oh mein Bärchen,
  • das Pärchen,
  • das Baby macht Bäuerchen.
  • Das Brötchen,
  • das Höschen,
  • das Kätzchen.
  • Ich reib mir mein Äuglein,
  • reich mir doch Dein Fingerlein,
  • das Döslein steht unter dem Lämpchen auf dem Beistelltischchen.
  • Das Näslein riecht das Würstchen,
  • für das Häuschen im Grünen hast Du bestimmt ein hübsches Sümmchen hingelegt. Dies ist ein wiederum ein Litotes....

 

5. Litotes dreht um

Bei dem rhetorischen Stilmittel Litotes wird (in meinem Beispiel) zuerst die Summe verniedlicht - aber im negativen Kontext wird klar, das das Haus wohl eine ganz schöne Stange Geld gekostet hat. Die doppelte Verneinung bejaht die Aussage: Brad Pitt ist nicht gerade hässlich.

 

6. Klimax steigert

Julius Cäsar hat mit: Ich kam, sah, siegte (veni, vidi, vici) 

  • ein Trikolon genutzt, eine Dreierkombination: Worte, Sätze oder Elemente werden zu dritt angeordnet.
  • eine Alliteration verwandt: Zwei oder mehrere unmittelbar aufeinander folgende Wörter besitzen den gleichen Anfangslaut,
  • aber auch eine Klimax gebildet - es beginnt mit etwas unwichtigem und steigert sich zu einem Höhepunkt. Vom kleinen zum großen.

Schön, schöner, am schönsten. Oder von den Gebrüdern Grimm: Heute back ich, morgen brau ich und übermorgen hol ich der Königin ihr Kind.

Worte, Satzteile, Sätze steigern sich inhaltlich, wie auf einer Leiter und es muss grammatikalisch auch garnicht perfekt sein. Inhaltliche Steigerungen wirken für sich spannend, sie steigern die Intensität, erzeugen Emotionen und im dritten Teil, in der Klimax, können Sie auch eine unerwartete Wendung unterbringen. Eine Überraschung, eine Pointe.

Die Werbung nutzt die Klimax, damit sich Markennamen besser einprägen: Gut, besser, Paulaner. Oder vielleicht erinnern Sie sich auch noch an: Lavendel-Oleander-Jasmin-Vernel (keine bezahlte Werbung).

 

7. Anapher wiederholt den Anfang

Die Anapher fällt unter die Wiederholungsfiguren. Wiederholungen prägen das Gesagte bei den Zuhörenden besser ein, die Wirkung wird eindringlicher und verstärkt die Kernaussage. Wiederholungen, wie auch schon beim Trikolon, rhythmisieren und strukturieren Texte.

Ob in einer Rede, der Literatur oder im Gedicht, bei einer Anapher wiederholen wir am Anfang eines Satzes das erste Wort, die ersten Worte, Ausdrücke, Wortgruppen, Satzteile in benachbarten Sätzen.

Beispiele für Anapher im Marketing, die dafür sorgen, das sich das Branding einprägt: Carglass repariert, Carglass tauscht aus (keine bezahlte Werbung).

Oder auch: “Keine Staus. Keine Termine. Keine Hektik. Kein Stress. Keine Kompromisse. Kein anderes Bier.

Ich zitiere auch Christian Lindners Anapherreihe aus seiner Rede: Bereit für 2017, er hat hier zwei Bögen elegant ineinander geflochten:

Wehe, die Parkuhr ist abgelaufen; wehe, die Steuererklärung wird zu spät abgegeben; wehe, man sortiert den Müll falsch; wehe, man baut auf Sylt eine Sandburg, das ist verboten – Stolpergefahr. Das ist kein Witz: Das ist Deutschland. 

 

Oder aus In der Fremde von Joseph von Eichendorff:

Ich hör’ die Bächlein rauschen

im Walde her und hin

im Walde in dem Rauschen

Ich weiß nicht, wo ich bin.

 

Auch der Barbara-Song aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht:

Ja, da kann man sich doch nur hinlegen,

Ja, da muss man kalt und herzlos sein.

Ja, da könnte so viel geschehen.

Ach, da gibt’s überhaupt nur: Nein!

 

8. Epipher wiederholt das Ende

Mein Stilmittel Nummer 8 gehört ebenfalls zu den Wiederholungsfiguren, nur beginnt es nicht mit demselben Wort, sondern endet mit ihm. Diese Wiederholungfigur heißt Epipher oder Epiphora - super Beispiel ist: Ende gut, alles gut.

Mehrere aufeinanderfolgende Sätze enden mit demselben Wort oder derselben Wortgruppe. Die Epipher wirkt genauso wie die Anapher: Sie verstärkt Ihre Aussage, Ihre Texte werden einprägsamer, werden strukturiert.

 

Wie im Liebeslied von Rio Reiser:

Für immer und Dich

Ich sing′ für Dich,

Ich schrei' für Dich,

Ich brenne

Und ich schnei′ für Dich.

Vergesse mich,

Erinner' mich -

Für Dich,

Immer für Dich,

Für immer und Dich.

 

9. Symploke wiederholt Anfang UND Ende

Goethe kombiniert in seinem Gedicht Alles geben die Götter eine Anapher und eine Epiphora. Die Kombination heißt Symploke oder Complexio:

 

Alles geben die Götter

Alles geben die Götter, die unendlichen,

ihren Lieblingen ganz,

alle Freuden, die unendlichen,

alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.

 

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