von Birgit Schürmann

Corona! Wann, wenn nicht jetzt? Die ideale Basis für Smalltalk im Business

Corona. Unser Leben steht Kopf. Alle stecken im Hausarrest. Homeoffice bedeutet telefonieren via Zoom, FaceTime & Co. Während des Meetings gucken wir uns die anderen Arbeits- und Wohnzimmer an. Aber eins ist wie immer: Jedes Businessgespräch fängt mit einem Smalltalk an. Und hört auch wieder damit auf. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Für Lena Meyer-Landrut ist Smalltalk "der blanke Horror". 

Wie sehen Sie das, ist Smalltalk in Ihren Augen überflüssig? Fallen Ihnen Peinlichkeiten im Aufzug ein? Nichtsagendes Partygeschwätz? Kaffeeküchen Bla-bla? Oder denken Sie an Floskeln über Anfahrt und Wetter?

Darf ich Ihnen ein Geheimnis verraten? Es geht auch anders...

 

Smalltalk aus der Not geboren

Es gibt ein Freund von einem Freund, den mochte ich nicht. Seine Art fand ich einfach nur furchtbar. Wenn sich unsere Wege kreuzten, schlug ich einen großen Bogen um ihn. Meistens gelang mir die Kontaktvermeidung auch recht gut, bis zu dem Tag, an dem bei einer Kaffee-und-Kuchen-Geburtstagsfeier nur noch ein einziger Platz frei war. Der Stuhl neben ihm.

Sie können sich vorstellen, dass ich in Sekundenschnelle alle Fluchtmöglichkeiten überschlug und letztendlich zu dem Schluss kam: Du musst Dich jetzt wohl neben ihn setzen. Und dann gibt es zwei Möglichkeiten: Du schweigst angestrengt oder hältst Smalltalk. Nur: Wenn Du jetzt angestrengt schweigst, ist es ein Armutszeugnis für Dich als Kommunikationstrainierin, und als Coach sowieso. Also bitte, da musst Du jetzt durch.

Ich entschied mich dafür, auf ihn zuzugehen, als würde ich ihm zum ersten Mal begegnen. Ich beschloss, neugierig auf ihn zu sein. Mich wirklich für ihn zu interessieren. Und wissen Sie was? Es war ein tolles Gespräch. Eine Riesenüberraschung! Seitdem mag ich ihn. Jetzt denke ich: seine Art ist halt eigen, aber na und?

Was war passiert? Wir stellten in unserem Gespräch Nähe her. Wir erlaubten uns gegenseitig einen Blick in unsere Welten. Und liessen eine emotionale Beziehung entstehen.

 

Sich während des Smalltalks WIRKLICH interessieren

Beim Smalltalk geht es nicht um den Inhalt. Sondern darum, eine Wellenlänge aufzubauen. Die ersten Schritte auf jemanden zuzugehen. Sich abzutasten und eine emotionale Verbindung herzustellen. Vertrauen aufzubauen. Vielleicht landet man sogar bei einem echten, bei einem tiefem Gespräch. Das kann passieren, muss aber nicht.

Jetzt fällt ein Gesprächseinstig nicht jedem leicht. Oft weiß man nicht, was man sagen soll. Generell gilt: Sie können Ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Hauptsache, es passt zueinander, da gibt es keine Regeln. Die Regeln der Kommunikation definieren in diesem Moment Sie beide. Selbst wenn Ihre Kommunikation für andere wie Comedy wirkt, ist es schnurzegal, Hauptsache, sie finden auf der Ebene zueinander. Und schwingen sich gemeinsam aufeinander ein.

 

Mit dem Smalltalk den Gemeinsamkeiten auf der Spur

Und da sind wir auch gleich bei meinem persönlichen Favorit für einen guten Einstieg: Gemeinsamkeiten suchen. Das wirkt Wunder. Ich liebe Gemeinsamkeiten. Ein bisschen Übung und es wird Ihnen bei den nächsten Smalltalks leichtfallen. Wirklich!

Im Moment sowieso: Corona schickt uns alle nach Hause. Wir stecken in derselben Situation. Über das große gemeinsame Thema können Sie mit jedem sprechen. Jeder ist Coronafachmann. Wir haben sozusagen den Ideal-Zustand für den optimalen Smalltalk. Ich kann nur empfehlen: nutzen Sie diese Zeit zur Vertiefung Ihrer Businesskontakte. Es wird nicht optimaler.

Um das Gespräch, den Smalltalk richtig in Fahrt zu bringen, bleiben Sie Ihren Gemeinsamkeiten auf der Spur. Suchen Sie nach weiteren Gemeinsamkeiten. Hat Ihr Gegenüber zum Beispiel ein Haus mit Terrasse und Sie zufällig auch, BINGO! Dranbleiben! Nichts bringt Ihnen für Ihren Bussinesskontakt mehr, als die gemeinsame Begeisterung fürs Kärchern der Terrasse.

Spitzen Sie während des Smalltalks Ihre Ohren und suchen Sie weiter. Gibt es noch andere Leidenschaften, die Sie teilen? Tasten Sie sich durch. Gibt es gemeinsame Hobbys? Sportarten? Lieben Sie dieselben Filme? Die gleichen Serien? Bücher? Kochen? Grillen? Fahren Sie Auto oder Fahrrad? Wie steht’s mit Haustieren? Urlaube? Sie sind vielleicht beide Pendler? Bleiben Sie hartnäckig und klopfen Sie Themen ab.

Und ja, übers Wetter zu reden, ist nicht peinlich! Peinlich wird's erst dann, wenn es nur beim Wetter bleibt und Sie kein weiteres Thema finden.

 

Smalltalk ist wie Flirten

Wenn Sie beim besten Willen keine Gemeinsamkeiten finden, okay, dann stellen Sie Fragen. Wir sprechen gern über uns selbst, eröffnen Sie also Ihrem Gegenüber die Chance. Verschenken Sie Redezeit und Aufmerksamkeit.

Auch der Moment spielt eine Rolle: Stellen Sie sich vor, Sie besuchen bald wieder eine Veranstaltung und bedienten sich, ohne groß Gedanken machen zu müssen, hungrig am Buffet. Jetzt wollen Sie natürlich auch essen und nicht ununterbrochen Rede und Antwort stehen Da kann sich Ihr Gegenüber noch so sehr mit offenen Fragen abmühen.

Smalltalk ist wie Flirten: Alle Themen, die Sie auch bei einem ersten Date NIE anschneiden würden, können Sie auch beim Smalltalk getrost weglassen. Und zeigen Sie sich - auch während Sie zuhören - von Ihrer besten Seite. Aufmerksam und zugewandt. Ein Lächeln ist immer smart, das sieht man auch auf dem Bildschirm. Ihr Gegenüber darf sich im Gespräch mit Ihnen wohlfühlen.

Wenn es für beide Personen ein gutes Gespräch war und Sie jetzt zum geschäftlichen Part übergehen, dann hat sich die Grundlage, Ihre soziale Beziehung, ihre emotionale Beziehung, ihre geschäftliche Beziehung komplett verändert.

Sie haben Vertrauen geschaffen.

Sie werden sich auf die nächste Begegnung, auf den weiteren Austausch freuen. Und Sie haben den Grundstein für einen guten geschäftlichen Kontakt gelegt. Denn wie war das noch mit dem Verkaufen: Wir kaufen zu fast 100 Prozent aus emotionalen Gründen. Von Menschen, denen wir vertrauen.

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