von Birgit Schürmann

Glaubenssätze: Wenn uns unsere Gedanken im Weg stehen

Ein Vortrag kann eine nervenaufreibende Erfahrung werden. Unsicherheit, Lampenfieber und Selbstzweifel sind Gefühle, die viele von uns kennen. Doch manchmal gehen diese Gefühle über die normale Aufregung hinaus und fahren Achterbahn mit uns. Sie manifestieren sich als störende Glaubenssätze, die unsere Präsentationsfähigkeiten beeinflussen und vor allem: beeinträchtigen. 

 

Glaubenssätze basteln unsere Wirklichkeit

Aus den Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens machen, bilden wir Überzeugungen und Annahmen. Dabei spielen Einflüsse unserer Familie, der Gesellschaft und Kultur eine große Rolle.

Wir brauchen Glaubenssätze, um uns in der Welt zu orientieren. Sie dienen uns als Grundlagen unserer Wirklichkeit. Und diese subjektive Wirklichkeit, die wir uns zurecht gebastelt, zurecht gedacht haben, die bestimmt wiederum unser Handeln. Sie lenkt unsere Aufmerksamkeit.

Die Glaubenssätze, die wir bilden, steuern

  • welche Informationen wir aufnehmen,
  • welche Schlüsse wir daraus ziehen und
  • welche Entscheidungen wir treffen.

 

Glaubenssätze, die uns im Weg stehen

Aber nicht alle unserer Glaubenssätze arbeiten für uns. Manche Glaubenssätze hindern uns daran, uns bei unserem Vortrag, unserer Präsentation frei zu fühlen. Vielleicht kommt Ihnen einer der folgenden Glaubenssätze bekannt vor:

 

1. Ich bin nicht gut genug

Ein häufiger Glaubenssatz. Wir fürchten, den Erwartungen unserer Zuhörenden nicht gerecht werden. Er beschert uns starkes Lampenfieber und möglicherweise auch Blockaden in der Körpersprache. Der Gedanke ich bin nicht gut genug kann uns so stark blockieren, dass wir kurzzeitig den Zugang zu unserer Kompetenz verlieren.

 

2. Ich werde mich blamieren

Wenn wir uns fürchten, Fehler zu machen oder uns zu blamieren, können wir nicht selbstbewusst auftreten. Die Folge: wir werden nicht locker und sind nicht in der Lage, uns so zu geben, wie wir sind.

Fehler, die andere in der selben Situation einfach mal weg moderieren, empfinden wir als persönliches Disaster. Hat zur Folge: wir setzten uns unter Druck und bleiben weit hinter unseren Möglichkeiten zurück. 

 

3. Ich kann nicht gut genug sprechen

Der Glaube, dass man nicht über ausreichende sprachliche Fähigkeiten verfügt oder dass die eigenen Kommunikationsfähigkeiten nicht ausreichen, beeinträchtigt unser Selbstvertrauen. Die Folge: Die Unsicherheit schlägt sich auf unsere sprachliche Eloquenz nieder.

 

4. Niemand wird sich für das interessieren, was ich zu sagen habe

Das Gefühl, dass das Thema des Vortrags nicht relevant oder interessant genug ist, führt dazu, dass wir uns unsicher fühlen und unsere Botschaft nicht selbstbewusst vermitteln. Die Folge: wir werden im Ausdruck verhuschter, schneller, beginnen möglicherweise zu nuscheln und vermitteln damit den Eindruck, dass unsere Inhalte nicht relevant sind. Wie schade! Die Katze beißt sich in den Schwanz und wir erfüllen unsere eigene Prophezeiung.

 

5. Alle werden mich beurteilen

Hinter diesem Glaubenssatz steckt die Angst vor Bewertung und negativer Kritik. Der Glaubenssatz führt ebenfalls zu Unsicherheit und Angst. Was folgt? Die nötige Lockerheit fehlt, um in einen guten Kontakt mit unserem Publikum zu gehen.

ABER/ UND: Ja, wir werden tatsächlich beurteilt. Das will ich nicht wegdiskutieren. Unsere Zuschauenden haben genug Zeit, uns zuzuschauen und sich Gedanken über uns zu machen. Und die nehmen sie auch wahr. Wir tun dasselbe, wenn wir mitten in einem Publikum sitzen.

Und so spürt auch Ihr Publikum nach, ob sich Ihr Auftritt sowie Ihre Inhalte glaubwürdig anfühlen. Die Zuschauenden forschen: Wie verhält er oder sie sich? Wer ist er oder sie?

Das Publikum will Menschliches sehen und spüren, mit anderen Worten: Sie wollen einen Menschen mit Ecken und Kanten sehen.

 

Mein Tipp: Holen Sie sich so oft wie möglich eine Rückmeldung, ein Feedback von außen für Ihren Vortrag, für Ihre Präsentation ein. Und: fragen Sie sich selber nach jedem Auftritt: Was hat gut funktioniert und was würde ich das nächste Mal verändern oder verbessern?

Gewöhnen Sie sich an, Ihren Aufritt neutral zu beurteilen: Wie war mein Kontakt zum Publikum, hat mein Einstieg die Wirkung erzielt, die ich mir erhofft habe, hätte ich mir bei der Stelle XY mehr Zeit lassen können, ist Folie XYZ überflüssig, könnte ich eine Pointe noch länger herauszögern usw.

 

So werden Sie hinderliche Glaubenssätze los

Jetzt stellen Sie sich vielleicht die Frage: werde ich störrische und hinderliche Glaubenssätze jemals wieder los? Und wenn ja, wie?

Erst einmal: Ja. Glaubenssätze können Sie auflösen. Auch wenn sich manche Glaubenssätze als hartnäckig erweisen, bleiben Sie dran! Wenn Sie ihre Glaubenssätze erkennen und bearbeiten, können Sie Ihre Einstellung positiv beeinflussen. Probieren Sie einen der folgenden 7 Tipps aus:

 

7 Tipps aus meiner Vortragspraxis

1. Eine gute Vorbereitung und viel Übung

Je besser Sie vorbereitet sind, je häufiger Sie über Ihr Thema sprechen und referieren, desto fester sitzen Sie im Sattel. Desto sicherer wird Ihr Selbstvertrauen und Ihre Rhetorik.

 

2. Besinnen Sie sich auf Ihr Können

Was können Sie gut, was klappt immer? Worauf können Sie sich immer verlassen? Ist es Ihre gelassene Körpersprache, Ihr trockener Humor oder ist Ihre Technik  bzw. Powerpoint ein Knaller?

 

3. Glaubenssätze finden und identifizieren

Angenommen, Sie halten in Kürze einen Vortrag. Was denken Sie jetzt über sich und die Welt? Wovon sind Sie überzeugt? Glaubenssätze beginnen mit: Ich bin…., Ich kann…., die Welt ist XY. Wie würden Ihre Glaubenssätze lauten?

Versuchen Sie zu erkennen, welche Gedanken, welche Überzeugungen Sie daran hindern, selbstbewusst und frei aufzutreten.

 

4. Glaubenssätze hinterfragen

Hinterfragen Sie Ihre Glaubenssätze. Haben Sie eventuell einzelne negative Erfahrungen verallgemeinert? Und auch wenn es Ihnen komisch vorkommt, fragen Sie sich: Sind meine Glaubenssätze wirklich wahr? Können Sie objektive Kriterien nennen, die ihren Glaubenssatz hieb und stichfest machen? Oder fußt alles nur auf subjektiven Beurteilungen, die bei der Frage nach der Wahrheit anfangen zu wackeln?

 

5. Neue Glaubenssätze bilden

Ersetzen Sie die alten Glaubenssätze. Gibt es eventuell andere Perspektiven, die Ihnen helfen, angstfrei aufzutreten? Probieren Sie positive Formulierungen aus, wie wirken diese auf Sie? Mein Tipp: Positive Glaubenssätze aufschreiben und gut sichtbar an Ihren Kühlschrank hängen. 

 

6. Es könnte doch auch so sein...

Stellen Sie sich vor, wie Sie selbstbewusst und erfolgreich Ihren Vortrag, Ihre Präsentation halten. Visualisieren Sie vor ihrem inneren Auge, wie Sie Ihre Inhalte klar und überzeugend präsentieren, wie Ihr Publikum positiv reagiert und applaudiert.

Vor allem der- oder diejenigen, die Ihnen die größten Sorgen bescheren.

Stellen Sie sich vor, wie Sie nach Ihrem Vortrag beglückt und beschwingt Ihre Sachen zusammen packen.

 

7. Unterstützung suchen

Suchen Sie sich für die ganz hartnäckige Glaubenssätze Hilfe. Buchen Sie einen Coach und schauen Sie sich Ihre Überzeugungen gemeinsam an. Viele Glaubenssätze tragen wir unser Leben lang mit uns herum. Daher: überfordern Sie sich nicht, lassen Sie sich Zeit, einen Marathon gewinnen Sie auch nicht nach einer Woche Training...

 

Vielen Dank an pixaby und petahmayer für das schöne Foto

 

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