von Birgit Schürmann

7 fiese Rhetoriktricks: So kontern Sie richtig/ Teil 1

Fiese Rhetoriktricks: Techniken von Menschen, die immer recht behalten wollen. Die die Oberhand behalten und Dominanz beweisen wollen. Die andere blöd aussehen lassen wollen. Oder ist es Eitelkeit, zu der sich laut Schopenhauer die Unredlichkeit gesellt?

In diesem Blogartikel geht's um 2 fiese Tricks der schwarzen Rhetorik. Ich beschreibe Ihnen 2 Situationen, in denen die Kommunikation in einer Sackgasse landet. Diese Rhetoriktricks sind gang und gäbe. Nicht jeder, der sie benutzt, bemerkt, dass er seinem Gesprächspartner oder seiner Gesprächspartnerin gehörig auf den Schlips tritt.

Sie können die folgenden Taktiken bewusst einsetzten oder Sie nutzen Ihr Wissen, um Ihre Wahrnehmung zu schärfen. Ihr Gespür für die Macht der Worte und der daraus resultierenden Kommunikation.

 

Fieser Rhetoriktrick 1: Seinen Gesprächspartner durch ständiges Fragen in die Konfusion stürzen.

Kürzlich hörte ich ein Gespräch im Radio. Ein Hörer war live auf Sendung. Dem Moderator passte die politische Meinung des Hörers nicht. Nun war der Hörer auch nicht bestens informiert, aber na, ja, es gibt schlimmeres. Soweit sogut.

Dann wurde ich hellhörig, denn das Gespräch wurde zu einem Paradestück der schwarzen Rhetorik, der Sprachmanipulation: Der Moderator hinterfrage alles. Jede Aussage. Permanent.

Ständig unterbrach er den Hörer: "Das meinst Du doch nicht im Ernst? Wie war das noch genau? Die haben waaaas gemacht? Nee, das glaube ich Dir nicht! Und Du findest das also gut? Ne, findest Du nicht gut? Warum stimmst Du dem dann zu? Ach so, dann bist also der Meinung, dass..... ?"

Der Hörer kam völlig aus dem Konzept. Er wurde zunehmend verwirrter und konfuser.

Permanentes Gegenfragen ist eine besonders wirksame rhetorische Taktik, wenn man ein Publikum hat und das Publikum auf seine Seite ziehen will.

 

So kontern Sie richtig - Rhetoriktipp 1:

Wären Sie anstelle unseres Hörers, was würden Sie tun, um nicht den Kürzeren zu ziehen? Womit nähmen Sie dem Moderator den Wind aus den Segeln?

Erst einmal ist es wichtig, das Fragengewitter zu unterbrechen. Eine gute Möglichkeit ist nach: „Nee, das glaube ich Dir nicht!". Sie könnten kontern mit: „Ob Sie mir glauben oder nicht, ist Ihre freie Entscheidung. Und ich kann mich frei entscheiden, warum ich das für richtig halte. Und zwar..."

Damit belassen Sie das Problem beim Moderator. Sie könnten zu neuen Argumenten ausholen, um Ihre Aussage zu unterstreichen und hätten sich gleichzeitig eine neue Position, einen neuen Status erarbeitet.

Eine andere Möglichkeit wäre nach: „Ach, dann bist du also der Meinung, dass...“. Warum nicht antworten mit: "Da müssen wir uns missverstanden haben. Da weißt Du mehr über meine Motive als ich! Darf ich Dich fragen, woher Du das weißt?"?

Dann wäre der Ball beim Moderator. Er müsste antworten und Stellung beziehen. Sie hätten sich Luft verschafft und neu positioniert.  

 

Fieser Rhetoriktrick 2: Schmettern Sie alles ab.

Vor Jahren war ich zu Gast bei einem Workshop und erlebte eine Situation, die ich bis heute im Kopf habe. Der Trainer bat eine Teilnehmerin von ihrem Stuhl aufzustehen, damit sich bei einer Übung ihr Stimmklang besser entfalten könne. Ich weiß nicht, was die Gute geritten hat (oder was bereits vorher passiert war), aber sie hat sich geweigert. Die anderen Teilnehmer meinten: "Mensch, das ist doch kein Problem, mach das doch, steh doch einfach mal auf.."

Sie tat es aber nicht. Nach einigem hin und her sagte sie zum Trainer: "Wollen Sie mich etwa zwingen aufzustehen?" Baff, das hat gesessen! Der Dozent war völlig geplättet und stotterte: "Nein, natürlich nicht..... ähhhh".

Sie hatte gewonnen.

Er verlor seine Trainerautorität bei der gesamten Gruppe. Er musste seine Autorität im weiteren Verlauf des Seminars mühsam wieder aufbauen.

 

Killerphrasen blockieren den Dialog

Das ist ein wunderbares Beispiel für ein Killerphrase, auf die man nichts erwidern kann und die den gesamten Dialog killt.  

Man weicht dem Druck des Gesprächspartners aus, indem man (einfach) blockiert.

Zum Beispiel, wenn Ihnen jemand Fragen stellt, die Sie (warum auch immer) nicht beantworten wollen. Richtet jemand unliebsame Fragen an Sie, können Sie das Gespräch blockieren mit:

„Darüber muss ich erst einmal in Ruhe nachdenken, dazu kann ich Ihnen jetzt nichts sagen“.

„Das kann ich so spontan nicht entscheiden, diesen Sachverhalt muss ich in den Akten nachlesen. Ich kann Ihnen gerne eine Antwort darauf geben...bis wann benötigen Sie sie?“

Wenn Ihr Gesprächspartner dranbleibt und nicht locker lässt, dann hilft bestimmt:

„Stehe ich hier vor einem Kriegsgericht?“

„Ich fühle mich jetzt gezwungen, etwas zu tun oder zu sagen, was unrichtig ist!“

„Es gibt Fragen, die kann man nicht mit ja oder nein beantworten.“

„Ich fühle mich hier so unter Druck gesetzt, dass ich nicht mehr klar denken kann!“

Unterstützen Sie Ihre Aussage dann noch mit Ihrer Mimik und verziehen keinerlei Miene, kann niemand sagen, ob es mit Absicht geschah oder ob Sie tatsächlich so hilflos sind....

 

So kontern Sie richtig - Rhetoriktipp 2:

Womit hätte der Trainer der Killerphrase Paroli geboten?

Auf „Wollen Sie mich etwa zwingen aufzustehen!?“ hätte er entgegnen können: „Ob Sie aufstehen wollen, oder nicht, ist natürlich Ihre Entscheidung. Ich wollte Ihnen etwas beibringen. Auch da können Sie frei entscheiden: Wollen Sie von mir etwas lernen oder nicht?“.

Je nachdem, wie weit sich der Dozent aus dem Fenster lehnen will, könnte er hinzufügen: "Ebenso können Sie sich die Frage stellen: Sind Sie hier in diesem Seminar mit mir als Leitung gut aufgehoben oder würden Sie in einem anderen Seminar mit einem anderen Dozenten oder Dozentin mehr lernen?“

 

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